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Mutmacher

Soziale und Politische Bildungsvereinigung Limbach - Oberfrohna

Engagierte Jugendliche setzen der vorherrschenden rechten Jugendkultur aktiv etwas entgegen, Foto: c, Soz.-u.polt. Bildungsvereinigung

Gute Arbeit gegen Rechtsextremismus und für eine demokratische Kultur hat viele Gesichter – MUT stellt Ihnen die zehn Projekte vor, die in diesem Jahr für den Sächsischen Förderpreis für Demokratie nominiert sind. Heute die Soziale und Politische Bildungsvereinigung Limach- Oberfrohna.

Von Anna- Laura Seidel

Wenn rechtsextreme Schmierereien kaum Aufmerksamkeit erregen, wenn Neonazis eine ganze Stadt zu ihrem Hoheitsgebiet erklären und all jene, die nicht in diese menschenverachtende Kleingeistigkeit passen, mit Gewalt und Einschüchterungen leben müssen, braucht es vor allem Mut, nicht einfach wegzuschauen und sich wegzuducken. Mit der Gründung des Vereins „Soziale und politische Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna“ im Sommer 2007 bewiesen einige Jugendliche diesen notwendigen Mut. Anstelle von Anerkennung ernteten sie dafür jedoch Ablehnung und Misstrauen bis hin zu offenen Anfeindungen. Limbach-Oberfrohna hatte sich längst mit den Neonazis arrangiert, Rechtsextremismus war „kein Problem“ in der sächsischen Kleinstadt. Es seien nun vielmehr die jungen Störenfriede, die das Ansehen der Stadt beschmutzten.

Mit dem Ziel einen alternativen Raum abseits des rechten Mainstreams zu schaffen, eröffneten die Jugendlichen 2008 ihren eigenen Treffpunkt, um einen Rückzugsraum vor den Übergriffen zu haben, aber auch um mit den Bürgerinnen und Bürgern in Kontakt zu treten. Trotz heftiger neonazistischer Übergriffe lassen sich die Jugendlichen nicht einschüchtern und setzen sich mit ihrer Arbeit kontinuierlich gegen rechtsextreme Strukturen und für eine pluralistische Alltagskultur ein. Die sich wiederholenden Naziübergriffe auf den Treff blieben nicht folgenlos: Der Vermieter kündigte den Vertrag mit den Jugendlichen. Ein schwerer Rückschlag, aber die Gruppe gab nicht auf. Nach nur etwa einem halben Jahr machte sie sich auf, eine neue Herberge zu finden, um ihren Freiraum zu behalten. Die Angriffe seitens der Nazis rissen jedoch nicht ab: Fensterscheiben wurden eingeschlagen, Häuser mit rassistischen Parolen beschmiert und Autos demoliert. Und auch die Jugendlichen selbst waren und sind bis heute verbalen sowie physischen Attacken ausgesetzt. Die Gewalt gipfelte in einem Brandanschlag auf das Vereinsdomizil im November 2010, bei dem die Räumlichkeiten beinahe völlig ausbrannten. Auch wenn der Täter mittlerweile gefasst wurde, hat sich an der Stadtkultur und der Situation, die durch die Neonazis dominiert wird, nichts geändert. Dabei ist die „Soziale und Politische Bildungsvereinigung“ viel mehr als nur eine Anti-Nazi-Initiative. Die Jugendlichen leisten auch darüber hinaus einen wichtigen Beitrag für die demokratische Kultur vor Ort. Von Film- und Vortragsveranstaltungen, über Einkaufstätigkeiten für Senioren, bis hin zu kostenloser Nachhilfe und Kinderbetreuung – die Vielfalt der Menschen und ihrer Ideen zeichnet die Bildungsvereinigung aus.

Trotz der fehlenden Unterstützung durch die Stadt und einen Großteil der Einwohnerschaft lässt sich der Verein nicht entmutigen. Seit Jahren setzt sich die SUPBVLO sich für die Förderung alternativer Jugendkultur und gegen jegliche Form der Menschenverachtung ein. Der rechtsextremen Alltagskultur in Limbach-Oberfrohna begegnen die Jugendlichen mit
Workshops zur Demokratiebildung, mit Vorträgen und Filmabenden im Vereinshaus „Doro 40“.

In diesem Jahr veranstaltete die SUPBVLO bereits zum dritten Mal das „Stay Rebel Festival“ in der Innenstadt von Limbach-Oberfrohna, bei dem es neben verschiedenen musikalischen Liveacts ein unterschiedliches Programm zu den Themen Antisemitismus, Rassismus oder auch Homophobie gegeben hat. Mit der Veranstaltung wird den Nazis die Stirn und den Jugendlichen vor Ort eine Alternative geboten. Für die Zukunft hat der Verein auch bereits Pläne: Sie wollen allen Widrigkeiten und Torpedierungsversuchen der Stadt zum Trotz einen Infoladen eröffnen, in dem Jugendliche eine demokratische Alltagskultur leben und erleben können.

Das eine Generation, die die schrecklichen Ereignisse des Zweiten Weltkriegs nicht miterlebt hat, aber die nackte Wahrheit des heutigen Neonazismus spürt, sich so engagiert und positiv verbissen für eine Sache einsetzt, habe ich selten erlebt. Die Soziale und politische Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna lässt sich nicht von Ihrem Ziel abbringen, die Nazis aus der Stadt zu jagen. Und ich bin sicher: das schafft sie auch!