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Die Ignoranz. Das Weghören. Und das Wegsehen IV

In den kommenden Wochen werden wir uns bei MUT GEGEN RECHTE GEWALT mit Alltagsrassismus beschäftigen. Dafür stellen wir euch in einer Serie Erlebnisberichte von Menschen vor, die von Alltagsrassismus betroffen sind. Hier kommt der vierte Teil:

Von Vanessa Vu // zuerst erschienen auf jetzt.de

Auf Partys ist eine der ersten Fragen nach meinem Namen immer die nach meiner Herkunft. Ich verstehe ja, dass Menschen neugierig sind und unter Studierenden gibt es immer Leute, die nur für ein oder zwei Semester in Deutschland sind. Doch mich nervt es als Hiergeborene, ständig auf den Geburtsort meiner Eltern reduziert zu werden.

Und das nicht nur auf Partys: Auch in der Schule musste ich ankreuzen, dass ich einen Migrationshintergrund habe, oder bei der Studienstiftung, für die ich mich beworben hatte. Das Anderssein und Nicht-Dazu-Gehören wird damit zum wichtigsten Merkmal nach dem Namen. Anderssein ist an sich nicht schlimm, aber es ist die Basis für rassistische Diskriminierung.

Da hilft es auch nicht, Rassismen in Witze zu verpacken. Ich kann nicht darüber lachen, wenn ich herablassend gefragt werde, ob ich zu Mittag wieder Hund hatte, dass ich durch meine schmalen Augen ja nichts sehe, oder wenn die wildesten Spekulationen über die asiatische „Parallelgesellschaft“ gemacht werden. Auch Komplimente, die darauf hinauslaufen, dass ich in etwas gut bin, nur weil Asiatinnen so fleißig und brav sein sollen, sind für mich keine Komplimente. Oder dass ich – wenn wieder verächtlich über Ausländer gesprochen wird – eine Ausnahme bin. Quasi gar nicht so schlimm wie die Anderen.

Dabei bin ich wenn dann eine Ausnahme, weil ich es trotz der Hürden geschafft habe, einen guten Abschluss zu machen und nicht weil ich mich so toll assimiliert habe. Und mein Erfolg ist auch sicher nicht der Verdienst der weißdeutschen Gesellschaft, die tut, als würde sie die Türen für all jene aufhalten, die sich nur ein bisschen anstrengen, sondern der Verdienst meiner Eltern, die für meine Bildung immer sehr viel zurückgesteckt haben. Und vielleicht einer großen Portion Glück. Aber er ist nicht der Verdienst der herrschenden Strukturen.

Trang, 20, studiert Anthropologie in Berlin
 
 

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