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Kommentar

Wir verurteilen diesen Hass

Ein Kommentar von Anetta Kahane

Gerade beginnen die internationalen Wochen gegen Rassismus. Gewiss, sie gehören zum Ritual unserer Gesellschaften und sind nicht zur Entlastung gedacht. So nach dem Motto: wir machen ein paar Aktionen und Veranstaltungen zum Thema und scheren uns den Rest des Jahres nicht darum. Rituale, besonders dieses, sind aber nötig.

Rassismus - dieses hässlichste Antlitz des Menschseins - ist eines der größten Probleme in Deutschland. Wir sehen es im Alltag, in der Politik, in den Verwaltungen, auf den Straßen und leider auch in den Schulen. Als schwarzes Kind in Deutschland oder als Kind mit türkischem oder arabischem Namen sind die Chancen auf Erfolg in der Schule ungleich geringer als bei weißen Kindern mit deutschen Namen. Abwertung, Vorurteile, Herzlosigkeit sind an der Tagesordnung. Wir wissen es, wir verurteilen es und dennoch ist es so schwer hier etwas zu verändern. Warum? Weil Rassismus auch darin besteht, dass seine Existenz ständig verleugnet wird.

Vor einigen Tagen gab es einen Brandanschlag auf eine Moschee in Berlin. Wir, die Mitarbeiter*innen der Amadeu Antonio Stiftung, verurteilen diese Tat. Unser Team erklärt sich solidarisch mit der betroffenen Gemeinde und mit allen Muslimen, die in Deutschland friedlich ihre Religion ausüben. Ob diese Tat von Radikalen mit deutschem, türkischem oder kurdischem Hintergrund begangen wurde, ist egal: Anschläge wie diese sind Anschläge auf unsere offene Gesellschaft. Und sie sind durch nichts zu rechtfertigen! Wir verurteilen den Hass, der dazu geführt hat und wir werden weiter alles tun, um Menschen zu ermutigen, gegen diesen Hass anzutreten!

950 Angriffe auf Muslime und Moscheen haben die Sicherheitsbehörden im vergangenen Jahr dokumentiert: Angriffe auf Kopftuch tragende Frauen, Anschläge, Nazi-Schmierereien und Schändungen mit Schweineblut. Muslime sind die "Lieblingsfeinde" der neuen Rechten. Die tägliche Hetze gegen sie ist systematisch und flächendeckend. Ob die Neurechten dabei wirklich die Religion meinen, darf in vielen Fällen bezweifelt werden. Ihnen ist es egal, ob die pauschalen Urteile, die Kampagnen und Diffamierungen einer großen Bevölkerungsgruppe in Deutschland wirklich Muslime trifft. Die Unterstellungen im Hass sind rassistisch unterlegt. Hier geht es um Einwanderung jeder Art. Hier wird kein Unterschied gemacht, ob jemand Christ, Kopte, Yesid oder Jude ist, solange er nicht den völkischen Vorstellungen vom Deutschsein entspricht! Sie sagen Islam und meinen die Herkunft. Sie sagen christliches Abendland gegen Islamisierung und sind selbst ganz unchristlich. Sie ethnisieren Konflikte in der Gesellschaft, die gut auch anders verhandelt werden können als über Herkunft und Religion. Sie schreiben den Betroffenen so lange Übles zu, bis die Radikalen im Islam sich mit Freude bestätigt fühlen.

Die Amadeu Antonio Stiftung sieht mit Sorge, wie hier gegen Muslime und Einwanderer ganz allgemein aufgehetzt wird. Jeder Mensch trägt ein Teil der Verantwortung für das Gelingen des Zusammenlebens. Jeder muss auch für die eigene Verantwortung einstehen und sich hinter Ethnizität oder religiöser Zuschreibung zu verstecken bedeutet Verantwortung abzulehnen. Das gilt für alle in Deutschland lebenden Menschen. Niemand darf einen anderen der Religionszugehörigkeit wegen, der Herkunft, Hautfarbe, sexuellen Orientierung, Geschlecht, Behinderung usw. abwerten, angreifen, diskriminieren. Niemand. Selbst wenn er selbst einer solchen Gruppe angehören mag.

Wir stellen uns schützend vor die Muslime. Als Männer, Frauen, Deutsche, Juden, Schwarze, Weiße, religiös oder nicht, politisch oder nicht. Als Personen, als Menschen, als Mitarbeiter*innen der Amadeu Antonio Stiftung