Sie sind hier

U wie...

Umgang mit rechtsextremer Musik

Die erste Reaktion auf gewaltverherrlichende und rechtsextreme Musik ist in der Regel ein Verbot, zumal wenn sie im öffentlichen und pädagogisch betreuten Raum einer Schule oder eines Jugendzentrums gespielt wird.

Offizielle Verbote
Offiziell verboten werden kann ein Musikstück für Jugendliche unter 18 Jahren durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften, oder insgesamt, wenn es strafbare Tatbestände umfasst wie die Verbreitung von Propaganda verfassungswidriger Organisationen, Volksverhetzung oder Aufstachelung zum Rassenhass. Auf dem großen illegalen Markt sind allerdings gerade diese Erzeugnisse besonders begehrt.

Verbote in Schule und Jugendclub
Verbote sind also schwierig, auch im privaten Rahmen. Durch sofortige Verbote in Schule oder Elternhaus wird die Beziehungsebene zu dem Jugendlichen, der rechte Musik hört, ge- oder zerstört, eine Trotzhaltung entsteht, das Vertrauensverhältnis wird aufgekündigt.

Warum Verbote schaden können
Ein Verbot stellt ein moralisches Bekenntnis dar, ist aber fast immer ineffektiv, manchmal sogar kontraproduktiv, wie die Popularität verbotener Songs zeigt. Die Konfrontation und Benennung als Rechtsextreme(r), wenn der/die Jugendliche unter anderem auch mal "Landser" gehört hat, verfestigt genau dieses Selbstbild bei ihm/ihr.

Verbote, Beschlagnahmen, gar Strafen sind repressive, autoritäre Akte, die keine Demokratie erfahrbar machen, sondern das Gegenteil. Wenn Abweichung mit Sanktionen bestraft wird, kann sich kaum der Glaube einstellen, kritisch seine Meinung äußern zu dürfen. Außerdem können solche Sanktionen von Jugendlichen fast immer umgangen werden.

Wann Verbote sinnvoll sind
Trotzdem sind Verbote wichtig. Sie sind sinnvoll, wenn etwa ein Kameradschaftsmitglied bewusst zu provozieren und die Musik zu verbreiten versucht.

Und stattdessen?
In den meisten Fällen sind Schüler aber noch durch Nachfragen zu erreichen, ein Lehrer kann erklären, warum er diese Musik in seiner Klasse nicht will. Dabei geht es vor allem um eine authentische demokratische Haltung und Positionierung des Lehrers – rationale Argumente und Aufklärung bewirken meist wenig. Die Schüler und Jugendlichen müssen bei der Auseinandersetzung merken, dass es gegen ihre Einstellungen, nicht gegen ihre Person geht.

Gegenkultur stärken
Hilfreich außerdem: Sich nicht nur auf die Jugendlichen zu konzentrieren, die rechtsextreme Musik hören, sondern gerade die anderen Jugendkulturen zu unterstützen. Für die demokratische Jugendkultur könnten musikalische Projekte durchgeführt werden, ob Musical oder Hip-Hop-Event, so dass das soziokulturelle Klima in eine andere Richtung ausschlägt. In dem Zusammenhang sind auch interkulturelle Projekte denkbar, bei denen Migrantenjugendliche integriert werden.

Standpunkte. Erziehung für Demokratie • gegen Rechtsextremismus, CD-Rom für LehrerInnen. RAA Berlin e.V. / LISUM 2002