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Thüringer Heimatschutz (THS)

Der „Thüringer Heimatschutz“ (THS) war von etwa 1996 bis etwa 2000 der Dachverband der thüringischen Freien Kameradschaften – unter anderem der Kameradschaft Jena, der auch die drei rechtsextremistischen TerroristInnen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Z. angehörten.

Der THS bestand zweitweise aus bis zu 160 Neonazis. Zwischen dem THS und der NPD gab es eine enge Verbindung, so wurden mitunter vier der elf NPD-Kreisvorsitzenden vom THS gestellt, im Landesverband hatte der THS bis zu sieben Sitze. Auch zu Burschenschaften wie der „Jenensia“ (später Normannia Jena) und zur Jungen Landsmannschaft Ostpreußen wurden enge Kontakte gepflegt.

„Anti-Antifa"

Vorläufer des THS war die „Anti-Antifa Ostthüringen“. Der THS verband zunächst Nationalsozialisten aus Ostthüringen (Rudolstadt, Saalfeld, Jena, Kahla, Weimar, Gera etc.), mit der Eingliederung des „Nationale und Soziale Aktionsbündnis Westthüringen“ (NSAW) als Sektion Eisenach übernahm der THS die Dachfunktion aller thüringischen Kameradschaften.

Unter den Augen des VS

Anführer des THS war Tino Brandt. Dieser arbeitete als Informant „Otto“ für den Verfassungsschutz bis er sich als V-Mann outete. Der Verfassungsschutz steht für die Beschäftigung Brandts in der Kritik, da davon ausgegangen werden kann, dass die Gelder des VS wesentlich zum Aufbau des THS beitrugen. Seit der Enttarnung ist Brandt in der NPD Thüringens als Landespressesprecher und stellvertretender Landesvorsitzender aktiv. Weitere führende Mitorganisatoren waren Andre Kapke und Ralf Wohlleben aus Jena, die beide bereits in der „Anti-Antifa Ostthüringen“ aktiv gewesen waren und Mitglieder der NPD sind. Im August 1999 wurden die beiden wegen gefährlicher Körperverletzung und Nötigung von zwei jungen Frauen zu hohen Geldstrafen verurteilt. Kapke war zudem der Anführer der Kameradschaft Jena.

„Sterbehelfer“ des „apokalyptischen BRD-Untergangs“

Seit 2002 ist der Thüringer Heimatschutz nicht mehr in seiner landesweiten Form aktiv, das Banner des THS ist allerdings noch auf Neonazi-Demonstrationen sichtbar. Auch gibt es den Blog „Thüringer Heimatschutz 2.0“, auf dem Youtube-Videos mit rassistischen und nationalsozialistischen Aussagen gepostet werden. Es ist allerdings nicht davon auszugehen, dass es sich um die Weiterführung des damaligen THS handelt. Die Vernetzungsarbeit der „Freien Kräfte“ hat inzwischen das „Aktionsbüro Thüringen“ übernommen, dass als „Freies Netz“ Thüringens fungiert und gemeinsame Aktionen der „Freien Netze“, Aktionsbündnisse und „Freien Kräfte“ Thüringens koordiniert. Mit dabei ist auch die ehemalige Kameradschaft Jena – als „Freies Netz Jena“. Das Aktionsbündnis beschreibt sich selbst auf der Website als „Sterbehelfer“ des „apokalyptischen BRD-Untergangs“ in der „Endphase einer sterbenden Republik“. Entgegen den offiziellen Angaben, dass es sich bei dem Bündnis um einen losen Zusammenschluss freier Kräfte handele, sieht die Martina Renner, MdL (LINKE), in den Aussagen einzelner Personen des „Freien Netzes“ einen eindeutigen Beleg „für dessen rechtsterroristische Ausrichtung“. Auch gebe es Kommandostrukturen, die eine länderübergreifende Vorbereitung gewalttätiger Organisationen ermögliche. Nach Einschätzung ostdeutscher Beratungsstellen gegen Rechtsextremismus ist das „Freie Netz“ die zentrale Organisationsstruktur der Neonazi-Szene in Mitteldeutschland. „Das Freie Netz ist entgegen der Annahme der Sicherheitsbehörden nicht nur ein loser Verbund von Neonazis, sondern ein politische Organisation“, sagte Stefan Heerdegen von MOBIT aus Thüringen.

Verbindung zur NPD

Es gibt wie zu Zeiten des THS auch heute eine starke ideologische und personelle Verbindung zwischen den Freien Kräften und der NPD in Thüringen. Nach Auffassung von David Begrich von der Arbeitsstelle Rechtsextremismus bei Miteinander e.V. in Magdeburg stellt das Freie Netz „die politisch-organisatorische Schnittstelle militanter Neonazis zur rechtsextremen NPD dar. Die politischen Akteure agieren mal in der Rolle von NPD Mitgliedern, mal als parteipolitisch nicht gebundene Kameradschaftsstruktur.“

Auch ehemalige THS-Aktivisten sind aktuell in der NPD vertreten und stehen in engem Kontakt zur neonazistischen Szene. Ein bekanntes Beispiel ist der Neonazi Patrick Wieschke, der ehemalige Anführer des „Nationaler Widerstand Eisenach“, der früher die „Sektion Eisenach des THS“ war. In der Nacht zum 10. August 2000 war Patrick Wieschke an einem Sprengstoffanschlag an der Eingangstür eines türkischen Imbisses in Eisenach als Anstifter beteiligt. Kurz nach der Detonation wurde er in der Nähe des Tatorts festgenommen. Aufgrund der Tat wurde er zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt. Seit 2006 ist Wieschke wieder beruflich in der NPD aktiv und ist inzwischen in den Bundesvorstand aufgestiegen.

Jenas „Braunes Haus

Auch der ehemalige THS-Mitorganisator Ralf Wohlleben ist seit 1999 im Landesvorstand der NPD sowie seit 2002 stellvertretender Landesvorsitzender der NPD Thüringen und deren Pressesprecher. Gemeinsam mit dem Liedermacher Maximilian Lemke und Andre Kapke von der Kameradschaft Jena eröffnete er 2002 das „Braune Haus“ in Altlobeda. Dort finden regelmäßig politische Veranstaltungen von NPD, Jungen Nationaldemokraten und der Freien Kameradschaftsszene statt, u.a. ist es der Treffpunkt des „Freien Netz Jena“.

Der Thüringer Heimatschutz