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SOS Racisme

SOS Racisme ist eine zivilgesellschaftliche Organisation, die die Gleichheit und die Brüderlichkeit in Frankreich fördert. Ihr Name klingt wie ein Hilferuf gegen rassistische Diskriminierungen. Sie wurde 1984 gegründet, als die Front National (die rechtsextreme Partei Frankreichs) „Frankreich den Franzosen“ zurückgeben wollte und damit rassistisches Gedankengut verbreitete. Die erste Aufgabe von SOS Racisme war die Integration von Migranten und Migrantinnen und ihren Kindern. Der Kampf fokussierte sich dann gegen Diskriminierungen aller Sorten. Seit fast 25 Jahren tritt SOS Racisme aktiv für die Gestaltung einer bunten und toleranten Gesellschaft ein. Die Organisation zählt inzwischen 20.000 Mitglieder. Das Logo ist eine gelbe Hand auf welche der Slogan „Mach meinen Kumpel nicht an!“ steht. „Touche pas à mon pote!“ heißt es auf Französisch. Weil mein Kumpel wie mein Bruder ist, egal wie seine Haut aussieht.
 
Der Kontext: SOS Racisme entstand in einer Zeit voller Hoffnungen in Frankreich. Die Organisation wurde ein Jahr nach der so genanten „marche des beurs“ gegründet: Quer durch Frankreich, von den Vorstädten in Marseille bis in die Hauptstadt Paris, marschierten 1983 etwa fünfzehn Jugendlichen mit Migrationshintergrund, um Rassismus zu verurteilen („beur“ bezeichnet in der Umgangsprache Franzosen mit nordafrikanischen Ursprüngen). Als sie in Paris ankamen, waren dort mehr als 100.000 Leute für sie versammelt. Alle wollten sie zeigen, dass Frankreich Rassismus satt hatte.
Während des Marsches wurde Habib Grimzi ermordet: Er wurde aus dem fahrenden Zug Bordeaux – Vintimille von drei Legionären geschmissen. Der rassistisch motivierte Mord entrüstete Frankreich zutiefst. Die positive Dynamik des Marsches folgte die Gründung von SOS Racisme und vielen anderen kleinen engagierten Vereinen gegen Rassismus. Die Aktion: SOS Racisme befindet sich heute an der Spitze des Kampfes. Mit Märschen durch Frankreich und Europa, Demonstrationen gegen Rechtsextremismus, langfristiger Aufklärungsarbeit in den Schulen und Universitäten, Initiativen wie „Rire contre le racisme“ (siehe Seite X) und Konzerten bekämpft die Organisation Rassismus überall.
Sie ist besonders bekannt für ihre pragmatische Methode, rassistische Diskriminierungen zu entlarven: „Testing“. Die Organisation prüft Diskoeintritt, Arbeitgeber oder Vermieter. Kann sie Diskriminierung nachweisen, hat SOS Racisme das Recht sie vor Gericht zu stellen. Die Methode wurde 2000 vom Gerichtshof anerkannt und bietet so ein wichtiges Werkzeug im Kampf gegen Rassismus.
Der Netzwerk: SOS Racisme (sosracisme.org) gibt es nicht nur in Frankreich, sondern auch in der Schweiz (www.sos-racisme.ch), in Portugal (www.sosracismo.pt), in Dänemark (sos.secureid.org), in Norwegen (www.sos-rasisme.no), in Italien (www.uni.net/sos.razzismo), in Österreich (www.sosmitmensch.at) und auch in Deutschland. „Mach meinen Kumpel nicht an!“ e.V. (www.gelbehand.de) tritt seit 1985 für die Gleichberechtigung von Migranten und Migrantinnen in der Arbeitswelt Deutschlands ein. SOS Racisme organisiert im Juli 2008 zum ersten Mal ein europäisches Treff en, um europäische Positionen verschiedener Vereine anzugleichen und Mitakteure ausbilden.
 
Aus: Holger Kulick (Hrsg.), MUT-ABC für Zivilcourage. Ein Handbuch gegen Rechtsextremismus. Von Schülern für Schüler, Leipzig 2008.
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