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Skingirls / Renees

Optik
Weibliche Skinheads nennen sich Renees oder Skingirls. Erkennungzeichen ist der Haarkranz: Rasierter Schädel mit einem Kranz aus langen Strähnen um das Gesicht herum. Die Frisur drückt die Zugehörigkeit zur Skinhead-Kultur aus, eine Abgrenzung von weiblichen Schönheitsnormen, soll Stärke und Unangepasstheit signalisieren und ist gleichzeitig ein Spiel mit Weiblichkeit.

Frauenbild der Skinheadszene
Skinheads pflegen in der Regel ein antiquiertes wie sexistisches Frauenbild: Frauen sind nicht gleichberechtigt, sondern dem Mann und seinen Wünschen - sexueller und sonstiger Art - unterworfen. Wie singt z.B. die Skinheadband Radikahl: "Weiber sind bei uns nichts wert / Auch wenn man sie nicht gern entbehrt". Als "geiles Skinheadgirl" sind Frauen erwünscht. Auch in der traditionellen Mutterrolle werden sie von ihren Männern gern gesehen oder als "treue Gefährtin".

Männer-Bands besingen Frauen hauptsächlich als Sexualobjekte, weibliche Musikerinnen stellen sich als gleichberechtigte Kameradinnen dar. Sexismus in Musiktexten wird von den Frauen meist ausgeblendet - sie setzen sich nicht gleich mit den abgewerteten Frauenbildern der Texte. Dabei ist Gewalt gegen Frauen ist in der Skinhead-Szene alltäglich.

Selbstbild der Frauen
Viele Renees entsprechen dem männlichen Bild, halten sich gern im Hintergrund und sehen ihre Hauptaufgabe in der Unterstützung der Männer. Andererseits gibt es auch Frauen, die sich selbst an Werten wie Mut, Stärke und Tapferkeit orientieren und aktiv werden wollen - auch politisch.

Rechtsextreme Frauen
Rund ein Drittel der rechtsextremen Szene besteht aus Frauen. Viele sind Skingirls oder Renees, aber es gibt auch an Brauchtum orientierte Traditionalistinnen oder braune Omas. Sie teilen und vertreten dieselben rassistischen, völkischen, antisemitischen und nationalistischen Ansichten wie die Männer, wenn bisher auch weniger gewalttätig. Wohl ein körperliches Phänomen: Oft sind Frauen nämlich die Anstifterinnen zu rechten Gewalttaten.

Frauenrollen
Bei rechtsextremen Frauen steht nach wie vor die Mutterrolle und die Versorgung der Familie an erster Stelle. Die "nationale Mami" ist die treusorgende "Bewahrerin ihrer Rasse", die die Kinder zur "deutschen Kultur" erziehen soll.

Auch wenn sie politisch aktiv werden, bevorzugen viele rechtsextreme Frauen "traditionelle" Betätigungsfelder: Etwa das der Pflegerin und Helferin - beim "Braunen Kreuz" etwa, dem "Nationalen Sanitätsdienst", für rechtsextreme Aufmärsche, oder bei der Hilfsgemeinschaft Nationaler Gefangener, die rechtsextreme Häftlinge betreut.

Mehr als Anhängsel der Männer
Inzwischen wollen viele Renees und Skingirls allerdings mehr als Anhängsel der Männer sein und ihre "nationale Pflicht" nicht nur als "deutsche Mutter" erfüllen. Sie sehen sich als "moderne, anständige, revolutionäre, selbstbewusste, nationale deutsche Frauen" (so Aktivistinnen der Skinhead-Kameradschaft "Fränkischen Aktionsfront"). Die Skingirl-Band Lokis Horden singt im Song "Renee": "Ich weiß genau, was ich will, halt nicht die Schnauze und bin still."

Völkische Feministinnen beziehen sich oft auch auf heidnisch-germanische Mythen. So sei es "Erbe des germanischen Frauentums", dass Frauen "gleichwertig, aber nicht gleichartig" seien.

Organisiert
Seit 1999 organisieren sich rechte Frauen zunehmend, diskutieren in Gruppen ihre Frauenrolle und planen gemeinsame Aktionen. Ziel ist es, innerhalb der Szene sichtbarer zu werden, ihre rassistischen, antisemitischen oder nationalistischen Aktivitäten explizit als Erfolge der Frauen zu verbuchen und so Anerkennung in den eigenen Reihen zu erhalten. Sie drücken ihre Gesinnung in Bands, Magazine oder Internetseiten, aber auch Gewalttaten aus.

Frauenthemen
Themen, mit denen sich speziell die Frauen beschäftigen und in die Öffentlichkeit treten, sind
- Mutterschaft als zentrale Lebensaufgabe (einschließlich Forderungen
nach Müttergehalt und Hausfrauenrente)
- Berufstätigkeit der Frau als Entfremdung und "Vermännlichung"
(umstritten; es gibt auch moderne Positionen, die Mutterschaft
& Job verbinden wollen)
- Ablehnung von Pornographie
- Ablehung von sexueller Gewalt und Sexismus (beides wird in der
Regel in der eigenen Szene ausgeblendet und allein auf "Ausländer"
übertragen)
- Abtreibung als "Mord" und "volksschädigendes Verhalten"
(nicht ganz unumstritten)

mut-gegen-rechte-gewalt.de