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Schule ohne Rassismus

Bereits im Jahre 1988 entstand die Idee von „Schule ohne Rassismus“ von Schülern und Jugendarbeitern, vor dem Hintergrund des Erstarkens rechtsextremer Parteien, in Belgien. Sie wollten auf diese Weise aktiv gegen Diskriminierung und Rassismus eintreten. Aufgrund seines Erfolges wurde das Projekt 1992 in den Niederlanden und 1995 durch den Verein AktionCourage e.V. auch in Deutschland eingeführt. Die im Jahre 2000 erfolgte Erweiterung des Titels in „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ (SOR-SMC) soll die gesamte Bandbreite der Diskriminierungen, die es zu überwinden gilt, verdeutlichen und die aktive Rolle der Beteiligten stärker hervorheben. Mittlerweile tragen europaweit mehr als 600 Schulen den Titel „SOR-SMC“, davon 420 in Deutschland, die von rund 350.000 Schülern besucht werden. Damit ist es das größte Schulnetzwerk in Deutschland.
 
Die Initiative „Schule ohne Rassismus“ ist ein Projekt von und für Schüler. Es bietet diesen die Möglichkeit, das Klima an ihrer Schule aktiv mitzugestalten, indem sie sich bewusst gegen jede Form von Diskriminierung, Mobbing und Gewalt sowie gegen alle totalitären und demokratiegefährdenden Ideologien wenden. Jede Schule kann den Titel erwerben, wenn sich mindestens 70 Prozent aller Personen, die in dieser lernen und lehren, mit ihrer Unterschrift verpflichten, sich künftig gegen jede Form von Diskriminierung an ihrer Schule aktiv einzusetzen, bei Konflikten einzugreifen und regelmäßig Projekttage zum Thema durchzuführen. Der Titel ist keine Auszeichnung für bereits geleistete Arbeit, sondern eine Selbstverpflichtung für die Gegenwart und die Zukunft. Eine Schule, die den Titel trägt, ist Teil eines Netzwerkes, das sagt: Wir übernehmen Verantwortung für das Klima an unserer Schule und unser Umfeld. Die Bundeskoordination der „Schule ohne Rassismus“ sowie die Landeskoordinationsstellen haben die Aufgabe, diesen Prozess zu fördern. Die von ihnen angebotenen Veranstaltungen dienen dem Erfahrungsaustausch unter den Schülern, der Anerkennung und Bestätigung ihres bisherigen Einsatzes und dem persönlichen Kennenlernen. So werden Schüler zum Beispiel über Strukturen rechtsextremer Organisationen oder der rechten Musikszene informiert, aber auch über die Arbeit von staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen, die im Bereich Menschenrechtserziehung tätig sind. Sach- und Fachwissen wird dabei nicht nur intellektuell vermittelt, sondern mit sozialer und praktischer Erfahrung verknüpft. Die meisten Schulen in Deutschland melden sich regelmäßig mit Berichten über Aktivitäten ihrer Schulen. Einige Schulen befassen sich von Anfang an mit der Frage des Nachwuchses. Allein die Auseinandersetzung mit dieser Frage führt oft zu weiteren Aktivitäten, wie zum Beispiel der Gründung einer festen Arbeitsgruppe. Inzwischen gibt es hinreichend Erfahrungen mit der Nachhaltigkeit des Projektes. Durch die Diskussion über Rassismus, Gewalt und Diskriminierung in der Schule fühlen die Beteiligten in der Verantwortung. Gemeinsame Regeln für den Umgang miteinander werden diskutiert und tagtäglich gelebt. Allein schon aus diesem Grunde trägt das Projekt zur positiven Entwicklung der Schulatmosphäre bei.
 
Aus: Holger Kulick (Hrsg.), MUT-ABC für Zivilcourage. Ein Handbuch gegen Rechtsextremismus. Von Schülern für Schüler, Leipzig 2008.
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