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(rechtsextremes) Menschenbild

Das rechtsextreme Menschenbild betont die "Verschiedenartigkeit der Menschen" (Positionspapier der JN, 2000) und daraus folgend ihre Ungleichheit. Der Gedanke der grundsätzlichen Gleichheit der Menschen und die daraus abgeleiteten allgemeinen Grund- und Menschenrechte für alle Menschen als Individuen sind für Rechtsextremisten nicht relevant.

Begründet wird die Verschiedenheit rassistisch mit Bezug auf angebliche Naturgesetze, Biologie oder Kultur. Das funktioniert so: Zur Verwirklichung der "Menschlichkeit" benötigen Menschen in den rechtsextremen Denkwelten die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft. Diesen Gemeinschaften werden rassistisch, völkisch oder kulturell begründete Merkmale zugeschrieben, die sie als homogene Einheiten darstellen. Diese Einheiten sind unveränderbar. Menschen werden in so genannte "Blutströme" (NPD-Verbotsantrag, 2001) hinein geboren, entsprechend tragen die Individuen auch die den Abstammungsgruppen zugeschriebenen, unveränderlichen Merkmale. Der wissenschaftliche Begriff für dieses Denken ist Rassismus.

Der rassistische Gedanke der naturgegebenen Ungleichheit führt zu einem "System der Wertigkeit". Innerhalb dieses Systems wird bestimmten Menschengruppen ein höherer Wert zugeschrieben als anderen. Deren angebliche Höherwertigkeit wird zur Legitimation von Privilegien und Machtansprüchen gegenüber als „andersartigen“ empfundenen Gruppen genutzt und dient als Begründung für Diskriminierung.

Konsequente Folge dieses Menschenbildes ist es, dass als „nieder“ empfundene Personen nicht mehr als Menschen wahrgenommen werden. Rassistische Mörder berichten in Gerichtsverfahren immer wieder, dass sie nicht davon ausgegangen seien, einen Menschen zu töten, denn es habe sich ja "nur" um einen "Fidschi" (Vietnamesen) gehandelt.

Allerdings zielen nicht alle rechtsextremen Denkfiguren auf das Eliminieren der als ungleichwertig empfundenen Menschen. Im Ethnopluralismus gilt der Slogan "Erhaltung der Vielfalt der Völker". Gemeint ist die auf ein Nebeneinander von völkischen Nationalstaaten in strikter räumlicher Trennung. Nach diesem Denkkonstrukt wäre ein Vietnamese zwar einem Deutschen gegenüber gleichwertig, allerdings nur so lange er Deutschland nicht dauerhaft betritt. Hier wird der Rassismus und die Privilegierung der Eigengruppe also auf den Raum bezogen.

Standpunkte. Erziehung für Demokratie • gegen Rechtsextremismus, CD-Rom für LehrerInnen. RAA Berlin e.V. / LISUM

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