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Landser

„Landser“ ist eine der bekanntesten rechtsextremen Musikgruppen. Sie war auch die erste Band überhaupt, die im März 2005 vom Bundesgerichtshof zur Kriminellen Vereinigung erklärt wurde.

Die 1992 in Ostberlin zunächst unter dem Namen „Endlösung“ gegründete Band agierte aufgrund der vielfältigen staatlichen Maßnahmen wie Auftrittsverbote und Indizierungen quasi von Begin an sehr konspirativ. Auf einem einzigen öffentlichen Konzert trat die Band maskiert auf. Ansonsten beschränkte man sich auf Auftritte in kleinen Berliner Lokalen unter Ausschluss der Öffentlichkeit. 2001 führten die Ermittlungen gegen die Band zur Verhaftung ihrer vier Mitglieder. Das Berliner Kammergericht verurteilte sie im Dezember 2003 wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung, sowie Volksverhetzung und Verbreitung rechtsextremer Propaganda zu Haft- und Geldstrafen. Im Zuge dieses Verfahrens sagten einige Bandmitglieder gegen den Sänger Michael „Lunikoff“ R. aus, weshalb ihre Haftstrafe aufgrund von Besserungsabsichten zur Bewährung ausgesetzt wurde. Auch der Sänger kam zwischenzeitlich auf freien Fuß, da er gegen das Urteil Revision eingelegt hatte. Die Band war aber derart verfeindet, dass die Landser seither nicht mehr existieren.

Michael R. hat inzwischen eine neue Band gegründet, „Die Lunikoff Verschwörung“. 2004 wurde ein neues Album eingespielt, bei dem aber darauf geachtet wurde, Indizierungen zu vermeiden, indem die Texte juristisch überprüft und gegebenenfalls geändert wurden. Im März 2005 bestätigte dann der Bundesgerichtshof die Haftstrafe von drei Jahren und vier Monaten. Es war das erste Mal, dass eine Musikgruppe als kriminelle Vereinigung rechtskräftig verurteilt wurde. Zuvor funktionierte das Konzept der „Landser“ aber über zehn Jahre lang ohne derartige negativen Konsequenzen.

Die Bandmitglieder selbst waren keine Skinheads, sondern rekrutierten sich aus der Ostberliner Neonazi-Rockerbande „Vandalen“. Dabei handelt es sich um eine in den frühen achtziger Jahren entstandene kleinere Gruppe von Neonazis, die sich wie Rocker kleideten. Die Landser erreichten durch ihre rassistischen, hasserfüllten und unverhohlen zur Gewalt aufrufenden Texte Kultstatus in der rechtsextremen Szene (Textbeispiel: "Hurra, das Asylheim brennt"). Es sind etliche Fälle bekannt, in denen sich junge Rechtsextreme bei Gewaltexzessen mittels "Landser"-Songs in Stimmung brachten. Sowohl die Mörder von Alberto Adriano aus Dessau, als auch die im Gubener Hetzjagd-Prozess wegen des Todes von Farid Guendoul angeklagten Rechten gaben an, vor oder während der Tat Musik der Band gehört zu haben. Im August 1999 hatten sieben Neonazis zwei Vietnamesen schwer verletzt und dabei den Landser-Refrain „Fidschi, Fidschi, Gute Reise“ skandiert.

In ihrem 13-jährigen Bestehen schaffte es die Band zunehmend auch in "unpolitischen" Kreisen hohen Bekanntheitsgrad zu erlangen, was auch daran lag, dass ihre Texte im Unterschied zu den meisten anderen Szeneproduktionen über einen gewissen „Sprachwitz“ verfügten. Die Band selbst verfügte über gute Kontakte zu Kadern der organisierten, gewaltbereiten Neonaziszene. Die Bandmitglieder waren in verschiedensten Neonazigruppen engagiert, was es ermöglichte, ein international agierendes Netzwerk rund um die Band aufzubauen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Rechtsrockbands bemühte sich Landser nicht, eine Indizierung ihrer Platten zu verhindern. Die meisten Platten wurden von vorne herein im Ausland (vornehmlich USA) aufgenommen und nach Deutschland geschmuggelt. Durch dieses Verfahren und ihre Anonymisierung/Mystifizierung versuchte die Band sich der deutschen Justiz zu entziehen. Die Aggressivität der Texte, die extremen Aussagen und die damit verbundenen Indizierungen und Beschlagnahmungen führten zu einer Erhöhung des Bekanntheitsgrades.

Christopher Egenberger / mut-gegen-rechte-gewalt.de

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