Sie sind hier

16 Opfer bekamen ihre Namen zurück

Zur Erinnerung an die Opfer der NS-Zeit lässt der Künstler und Bildhauer Gunter Demnig dort Messingsteine ins Trottoir ein, wo die Opfer vor ihrer Deportation durch die Nazis gelebt haben. Am 20.10. wurden in Schwerin weitere dieser Denkzeichen verlegt.

Von Sabine Klemm

Am Samstag, den 20.10.2007 wurden in Schwerin die 16 STOLPERSTEINE verlegt und um 14.00 Uhr auf dem Markt feierlich eingeweiht. Zu der Feierstunde sprachen der Landesrabbiner William Wolff sowie der Stadtpräsident Andreas Lange. Musiker der Kunstschule Ataraxia spielen Stücke, so wird es angekündigt, "bei denen man gleichzeitig lachen und weinen möchte".

Und so ist auch den Schüler/innen der "AG STOLPERSTEINE in Schwerin'' zumute. Sie haben nicht nur die Akten aus dem Archiv gelesen, sondern sind auch Angehörigen von Opfern aus Schwerin begegnet. So sprachen sie mit der Enkelin des früheren Inhabers der ''Strandperle'' in Zippendorf. Hermann Abraham hatte das Haus am Strand 14 erworben und das Café 1921 eröffnet. Bereits kurz nach der Machtergreifung Hitlers standen ''die Schwarzen'' vor der Tür, riefen zum Boykott jüdischer Geschäfte auf und die Tochter des Inhabers erkannte ihre früheren Freunde nicht mehr wieder. 1935 wurde Hermann Abraham gezwungen, sein Lokal zu verpachten. Zum Pächter wurde sein vorheriger Konditor, der ihm fortan verbot, das Lokal auch nur zu betreten. Drei Jahre später wurde er denunziert und musste für ein Jahr und sechs Monate ins Gefängnis Dreibergen-Bützow, angeblich wegen ''Rassenschande''. Der damalige Oberbürgermeister der Stadt verweigerte die Übertragung des Lokals an die Tochter Ilse Abraham. Sie ging nach Hamburg und überlebte die Schreckenszeit. Aber ihr Vater wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert und kam nie zurück. Seine Enkelin bekam mit Hilfe ihrer Mutter und ihrem Ehemann das Haus 1994 zurück und seither kommen die beiden oft von Reinbek nach Schwerin.

Auch eine andere Familie wird am Samstag zu Gast in Schwerin sein: ihr Großvater Gustav Rülke, gebürtiger Fleischermeister aus Schwerin, war gerade Soldat, als ein Attentat auf Hitler in München misslang. Gustav Rülke hätte sich gefreut, wenn es gelungen wäre und er sagte das auch. Für diese Äußerung wurde er vor ein Militärgericht gestellt und am 8. Februar 1940 hingerichtet. Zur STOLPERSTEIN – Verlegung kommen 16 Angehörige seiner Familie aus ganz Deutschland und den Niederlanden und sie werden dann auch die Schüler/innen der STOLPERSTEIN-AG treffen.

Über das Leben der anderen Opfer - darunter ein Gewerkschaftsfunktionär und ein katholischer Vikar - für die am  Samstag STOLPERSTEINE verlegt wurden, informiert die STOLPERSTEIN-AG zur feierlichen Einweihung ab 14.00 Uhr auf dem Marktplatz.

In Schwerin gibt es dann 30 STOLPERSTEINE.

Das Projekt soll weiter geführt werden. Dafür werden noch jugendliche Interessent/innen gesucht! Wer gern mitmachen möchte, melde sich bitte beim Schweriner Jugendring e.V. unter 0385 – 550 99 84


© www.mut-gegen-rechte-gewalt.de - 21.10.2007

stolpersteine.jpg

Zwei Stolpersteine vor der Verlegung