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Interview

„Wir wollen zeigen, wie Deutschland sein sollte“

Der Schauspieler Hardy Krüger setzt sich gegen rechte Gewalt ein. Foto: © Mut gegen rechte Gewalt

In Deutschland ist er eine Schauspiellegende und einer der wenigen Künstler, die auch international Filmkarriere gemacht haben: Hardy Krüger. Birlikte ist stolz darauf, dass Krüger zu unseren Unterstützern der ersten Stunde zählt! Im Interview erklärt der 86-Jährige, wa

Dabei weiß der Schauspieler und Schriftsteller, wovon er spricht: Als Jugendlicher sollte Krüger an der Adolf-Hitler-Schule zur Elite des NS-Regimes erzogen werden, brach aber noch vor Kriegsende mit dessen Ideologie. Dabei hatten, so Krügers Worte, seine Eltern Hitler als Halbgott geschildert, auf dem heimischen Klavier stand eine Büste des „Führers“. Doch mit 15 Jahren kam Krüger nach Babelsberg zur UFA, um den NS-Film „Junge Adler“ zu drehen. Bei den Dreharbeiten lernte er Albert Florath und Hans Söhnker, die ihn über das NS-Regime aufklärten und unter großen Gefahren Juden zur Flucht verhalfen.

Herr Krüger, Sie setzen sich schon seit Jahren gegen Neonazis und rechtes Gedankengut ein – woher kommt Ihre Motivation?
Das hat was damit zu tun, dass diese Verbrecher mir die Jugend gestohlen haben – und Millionen anderen Menschen das Leben. Ich kann kein Engagement von der Politik verlangen, wenn ich selbst nichts tue. Und ich habe überhaupt kein Verständnis dafür, dass es einen einzigen Deutschen gibt, der Parteien wie die NPD wählt.

Aber viele andere Künstler scheuen sich davor, öffentlich Stellung zu beziehen, wenn es um politische Aussagen geht.
Ich kann nur für Schauspieler sprechen, aber die, die ich kenne, die schweigen, sind von Angst befallen. Sie fürchten sich davor, sich Gegner zu machen. Das finde ich bedenklich. Denn wir alle tragen Verantwortung für unser Land. Wir alle müssen uns dafür einsetzen, dass die Demokratie stark bleibt. Deswegen setze ich mich zum Beispiel für Projekte ein, die Eltern helfen, deren Kinder in die Neonazi-Szene abzurutschen drohen.

Nun haben Sie ohne Umschweife zugesagt, Teil der großen Birlikte-Kundgebung am 9. Juni in Köln zu werden. Was erhoffen Sie sich?
Ich erhoffe mir eine enorme Breitenwirkung von der Veranstaltung. So kommt zum Beispiel Bundespräsident Joachim Gauck, von dem wir wissen, dass er klare Worte findet. Und ich finde es schön, dass wir trotz des traurigen Anlasses ein fröhliches Fest feiern. Wir hängen uns keinen Trauerflor um, sondern wollen zeigen, wie Deutschland sein sollte, nicht, wie es ist.

Sind Sie in all den Jahren Ihres Engagements schon einmal von Neonazis bedroht worden?
In den ersten Jahren waren die zu feige, ihr Gesicht zu zeigen. Aber vor gar nicht allzu langer Zeit hatte ich eine Lesung in Wolfsburg, da sind fünf oder sechs von denen mitten drin aufgesprungen, haben „Widerstand“ gebrüllt und haben den Saal mit laut knallenden Türen verlassen. Das zeigt vor allem eines: Sie werden immer mehr und sie werden immer stärker, das besorgt mich.

Nun finden gerade Europawahlen statt, viele Beobachter fürchten einen Rechtsruck – Sie auch?
Das ist definitiv nicht nur ein Problem in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern, wenn wir etwa nach Frankreich mit Le Pen schauen. Ich bin Europäer, deswegen sage ich: „Unsere Politiker in Frankreich haben versagt.“ Ich sehe die extrem rechten Parteien in Europa mit großer Sorge.

Und in Deutschland?
Sagen wir es so: Hier gibt es immer noch viel mehr, die ich bekämpfen muss, als dass es weniger werden.

Das Interview führte Alice Lanzke.
Zuerst erschienen auf birlikte.info