Götz Aly, Historiker und Buachautor, gilt seit Jahren als einer der wichtigen Experten, der sich intensiv mit dem Zusammenhang von Sozialpolitik und Genozid im nationalsozialistischen Deutschland beschäftigt hat. Im Bereich Holocaust-Forschung dokumentierte er als Mitherausgeber die Verfolgung und Ermordung der europäischen Jüdinnen und Juden durch das nationalsozialistische Deutschland, ging Täter-Biographien nach, beschäftigte sich mit Kontinuitäten deutschen Denkens, mit Führervertrauen im Nationalsozialismus und mit Auschwitz und den deutschen Plänen für eine neue europäische Ordnung.
Seine wissenschaftliche Perspektive wirkte oft provokant, setzte er sich doch mit Thesen zur Rationalität des NS-Regimes von Erklärungsmodelle ab, die vorrangig die Ideologien des Rassismus und Antisemitismus als Basis des NS-Regimes betonen.
Auch Alys Auseinandersetzung mit den Reaktionen auf die deutsche Studentenbewegung der 1960er Jahre löste eine kontroverse Debatte aus ("Unser Kampf. 1968 - ein irritierter Blick zurück", 2008).
In Stadthagen wird er sein neues Buch vorstellen, veröffenlicht 2011, und seine Thesen zu der Frage erläutern, weshalb der Antisemitismus sich besonders in Deutschland radikalisieren konnte und im Holocaust mündete. Dabei spielen aus seiner Sicht Neid und Missgunst, Schwäche und Freiheitsangst als sozialpsychologische Kategorien eine zentrale Rolle.