Der Antizionismus gibt vor, nicht die Juden zu bekämpfen, sondern den Zionismus, d.h. konkret den Staat Israel und die Israelis. Historisch entstand er aus dem Widerstand der arabischen Bewohner des ehemaligen britischen Mandatsgebiets gegen die jüdische Besiedlungspolitik vor dem zweiten Weltkrieg. In der Person des damaligen Großmufti von Jerusalem, Amin al-Husseini, der sich den Nationalsozialisten als Verbündeter gegen die Juden anbiederte, mischen sich erstmals in deutlicher Form antizionistische und antisemitische Motive.
Antizionismus – der Antisemitismus nach Auschwitz
Der Antizionismus tritt als eine spezifische Form des Antisemitismus nach Auschwitz auf, der sich meist aus Mangel an konkreten Hassobjekten gegen den "kollektiven Juden", den Staat Israel, richtet. Israel wird vom Antizionismus als ein Produkt des Imperialismus imaginiert (obwohl es doch in Abwehr des britischen Imperialismus entstand) und als Brückenkopf des US-Imperialismus halluziniert.
Nach antizionistischer / antisemitischer Lesart wird Israel als "künstliches Gebilde" verstanden und dem Staat somit sein Existenzrecht abgesprochen. Schon weil Israel die Widerlegung dieses Behauptung ist, zieht es den Hass aller Antisemiten auf sich und wird deswegen der Künstlichkeit gescholten. Der im Antizionismus wirkende Antisemitismus geht aber zumeist noch weiter: Schon in der – dem Antizionismus typischen – Feststellung, "die Juden" hätten doch aus ihrer eigenen Vergangenheit etwas lernen müssen, relativiert und verharmlost den deutschen Nationalsozialismus.
Aktualität des Antizionismus
Auch aktuell dient die vermeintliche Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit als Legitimation für eine neue 'Unbefangenheit' gegenüber Israel: Der frühere Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (CDU) spricht in einem Brief an den israelischen Botschafter Shimon Stein von einem "hemmungslosem Vernichtungskrieg" Israels. Von der realen Situation Israels vollkommen abstrahierend, argumentiert exemplarisch der nordrhein-westfälische unabhängige Landtagsabgeordnete, Jamal Karsli: In Nahost sei "ein unschuldiges Volk den Nazi-Methoden einer rücksichtslosen Militärmacht schutzlos ausgeliefert". Mit dieser Haltung, Tabus brechen zu wollen, wo sie nie bestanden – wie im Falle der Kritik an Israel – stellen sie sich in eine Reihe mit antisemitischen 'Tabubrechern'.
Meine Vorfahren waren antizionistische Juden, gewiss keine Nazis.