Hinter den Kulissen der rechten Szene existiert seit Jahrzehnten ein bundesweites Netz zahlreicher Kulturorganisationen. Sie tragen durch Volkstanz oder Singen zur eigenen Erlebniswelt bei, stärken aber vor allem NS-Ideologie und heidnisches Brauchtum. Während das gesellschaftliche Augenmerk auf die NPD und zeitweilig auch auf die inzwischen verbotene "Heimattreue Deutsche Jugend" (HDJ) gerichtet wird, wirken diese Gruppen im Hintergrund ungestört weiter.
Eine Rercherche für MUT von Maik Baumgärtner und Andrea Röpke.
"Du sollst an Deutschlands Zukunft glauben,
an deines Volkes Auferstehn,
laß diesen Glauben Dir nicht rauben,
trotz allem, allem, was geschehen...."
(=Sprechertext für Sonnenwendfeiern,
aus: AK Kultur der NPD;
"Praktische Hilfe für Feierstunden")
Gleich nach Feierabend oder Schulschluss, am Wochenende und in den Ferien gestalten heute Neonazis ihre eigene kulturelle Welt. Abgeschottet von Öffentlichkeit, fernab von provokanten Aufmärschen oder Parteiveranstaltungen finden sie sich seit Jahrzehnten ungestört zur Pflege germanischem Brauchtums, Reisen, Wanderungen, Volkstanz, Aufführungen oder Singewettstreiten zusammen. Zusammenhalt geben den diversen Gruppen und Organisationen ihre gemeinsame nationalistische Ideologie, sowie ehrgeiziges Streben nach deutschem Elitegeist.
Das Netz ist eng verwoben. So sind Akteure verbotener Organisationen wie der neonazistischen Erziehertruppe „Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ) seit Jahren auch in anderen Kreisen aktiv. Sebastian Räbiger, letzter Bundesführer der Ende März verbotenen HDJ betonte kurz nach der Verbotsverfügung gegenüber dem „Netzradio Germania“: „Ich bin nicht verdammt dazu, zuhause zu sitzen und nur noch die Wand anzustarren“. Im Hinblick auf nationale Jugendarbeit gäbe es „gute Geister in unseren Reihen“. Er sähe durchaus noch „Führungspersönlichkeiten“, so Räbiger, „die die Dinge ähnlich ernst nehmen wie wir“.
Kinder und Jugendliche finden in unterschiedlichen bündischen Gruppen Unterschlupf. So schickte z.B. die HDJ-Aktivistin Bente Strauch aus dem schleswig-holsteinischen Martensrade schon im Jahr 2008 ihre Kinder auf Lager des „Freibund – Bund Heimattreuer Jugend e.V.“. Der Nachwuchs der braunen „Bewegung“ wächst mit einem eigens zugeschnittenen Kulturprogramm auf. So sind bereits Kinder dabei, wenn ehemalige NS-Kultstätten wie die ehemalige SS-Ordensburg Wewelsburg oder Ausstellungen wie die von Hitlers Lieblingsbildhauer Arno Breker besucht werden.
Welche gefährlichen Ausmaße national-sozialistische Brauchtumspflege annehmen kann, zeigte sich Anfang August 2008 als rund 200 junge und alte Gäste des rechten Spektrums im sächsischen Borna den 95. Geburtstag des ehemaligen Göring-Vertrauten und Ritterkreuzträgers Hajo Herrmann zelebrierten. Zu den Gratulanten zählten u.a. Ursula Haverbeck, mehrfach verurteilte Holocaust-Leugnerin aus Vlotho, sowie NPD-Chef Udo Voigt und der nationale Liedermacher Frank Rennicke. Vertreter zahlreicher Organisationen waren angereist, unter ihnen viele ältere Akademiker. Auf dem weitläufigen Gelände des „Verein Gedächtnisstätte e.V.“ spielte sich ein anachronistisches Szenario ab, welches stark an Feierlichkeiten in der NS-Zeit erinnerte. Junge Männer, artig mit Scheitel und in weißen Hemden gekleidet marschierten heran und stellten sich in einer kreisrunden Formation auf Sockeln mit Fackeln auf. Es erklangen Heldenlieder. Borna und seine einschlägige „Gedächtnisstätte“ entwickeln sich unter den Augen der Öffentlichkeit zu einem „Mekka für junge und alte Nazis“. Dort entsteht nach Ansicht von Beobachtern nicht nur ein Ort, an dem sich Täter und deren Gefolgsleute „unter dem Schleier des Gedenkens deutscher Leidtragender“ ungeniert zu Opfern verklären können – in Borna wird ungeniert brauner Kult gepflegt.
Heidnisch-rassistische Ideologie
Rituale und Traditionen sind wichtig für das Erleben zwischen den Generationen in der „Gesinnungsgemeinschaft“. Viele andere Szene-Organisationen wie die „Artgemeinschaft – Germanische Glaubensgemeinschaft“, die „Artamanen“, Goden oder „Eiwatz“ sind dabei vor allem heidnisch-religiös geprägt. Sie vereinnahmen alte harmlose Traditionen wie das Hissen eines Maibaumes oder das Schöpfen von Osterwasser für ihre Zwecke. Dahinter steht politische und rassistische Beeinflussung junger Menschen, sowie ganzer Familienverbände, den sogenannten Sippen.
Die langjährig bundesweit aktive "Artgemeinschaft – Germanische Glaubensgemeinschaft" will aus rassistischen und insbesondere antisemitischen Gründen das Christentum durch einen "nordisch-germanischen" Glauben ersetzen. Ihrer Ideologie nach sei das der "Rasse der Germanen/Arier" angemessener. Nicht nur der nordrheinwestfälische Verfassungsschutz warnt vor der elitären Ausrichtung der Gruppe, denn „indem sie eine biologische Überlegenheit des nordisch-germanischen Menschentypus behauptet, werden Menschen aus anderen Kulturkreisen als minderwertig abgelehnt“.
Unter Führung des stellvertretenden NPD-Bundesvorsitzenden Jürgen Rieger treffen sich die Anhänger mit ihren Familien zu konspirativen Sonnenwendfeiern wie im Sommer 2008 in Niederhaverbeck in der Lüneburger Heide oder jüngst zum „Arbeitseinsatz“ auf dem Heisenhof, einem ehemaligen Bundeswehrgelände von Rieger im niedersächsischen Dörverden.
Die kleinere radikal-völkische Gemeinschaft namens „Bachantenorden um Eiwatz“ zum Beispiel nutzt eine Rune als Symbol für den „Schritt in ein neues Leben“. Den Mitgliedern des rechten Ordens geht es dabei um „Glaubensvorstellungen und Werte unserer Ahnen“, die benötigt werden um „Materialismus und Kirchendogma zu verbannen“. Der Anmelder der Internetseite stammt aus dem sächsischen Seifhennersdorf. Er betreibt zwei Verlage, den „Walknut-Verlag“ und den „Vorreiter-Verlag“, die unter einer Adresse in Köln firmieren. Dort werden neben Schriften des in neurechten Kreisen beliebten nationalrevolutionären Schriftstellers Ernst Jünger auch der neue Roman des GfP-Vorsitzenden Andreas Molau vertrieben.
Die relativ neue „Eiwatz“-Truppe möchte ihre Altersgenossen gegen Konsumwahn und „unbewusste Fremdbestimmung“ aufrütteln. Auf ihrer Homepage heißt es: „Wer das Volk will muß Brauchtum wollen. Brauchtum ist festgefügte, ungeschriebene Ordnung einer wirklichen Gemeinschaft, getragen vom alten Geschlecht, soweit es ein starkes und nicht ein weichlich gewordenes Geschlecht ist, das junge Geschlecht tragend, es an Treue gewöhnend, bis es in die Reife gekommen ist, wo es den Brauch nicht mehr als Zwang und leere Form empfindet, sondern ihn als die in Jahrhunderten und Jahrtausenden angesammelte Lebensweisheit der Vorangegangenen erkennt. Das Gegenteil ist Willkür! - Brauchtum ist praktische Grenzbefestigung des Volkstums.“
SS-Dichter als Idol
Auch Kulturveranstaltungen anderer Art laufen hinter den Kulissen. So planten sächsische Neonazis aus dem Umfeld des „Freien Netzes“ im Juni 2009 einen Vortrag im Chemnitzer Europark. Der „nationale Schriftsteller“ Eric Kaden aus Dresden sollte über Kurt Eggers – einen in völkischen Kreisen kultartig verehrten SS-Dichter - referieren. Die Chemnitzer Veranstaltung wird u.a. von der Gruppe „Sonnenritter“ um NPD-Aktivist Tony Gerber aus Zwickau intern beworben. Gerber sieht sich und seine Sonnenritter als „Organisation zum Schutz und Erhalt des Volkes und Kulturgutes".
Kadens Biographie „Kurt Eggers – Vom Freicorps zur Waffen-SS“ wurde Ende Mai von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien auf den Index gesetzt. Es darf somit Kindern und Jugendlichen nicht mehr zugänglich gemacht werden. Nach Ansicht der Behörde huldigt das Werk den Nationalsozialismus und weist einen gewaltbejahenden Antisemitismus auf.
Die NPD-Zwickau beklagte die Indizierung des „BRD-Regimes“. Kadens Vortrag konnte dennoch stattfinden. Denn tatsächlich genoss der 1943 „im großdeutschen Freiheitskampf“ gefallene ehemalige Kommandant der SS-Division „Wiking“ Eggers insbesondere in den Reihen der „Heimattreuen Deutschen Jugend“ Kultstatus, er wird heute als „soldatischer Dichter seiner Gegenwart“ gefeiert.
Sein Biograf, der Dresdener Versandbuchhändler und ehemalige Aktivist der kürzlich verbotenen „Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ), Eric Kaden, Jahrgang 1976, gilt als kultureller Multifunktionär der Szene. Er brachte nicht nur den Nachwuchs der HDJ mit Eggers-Gedichten auf Linie. Einst nahm er selbst an einem Schulungslager der bereits 1994 verbotenen „Wiking-Jugend“ in Hetendorf teil. Eric Kaden, zeitweilig Mitarbeiter innerhalb der Schweriner NPD-Landtagsfraktion, bleibt demnach wie zahlreiche andere Kameraden und Kameradinnen trotz erfolgter Verbote fester Bestandteil einer abgeschotteten braunen Kulturwelt.
Ein Blick hinter die Kulissen offenbart ein straff organisiertes Netzwerk aus jahrzehntelang gewachsenen faschistischen Kulturorganisationen, völkisch-bündischen Jugendgruppen und Freundeskreisen, die mit kultureller Vielfalt und demokratischer Zivilgesellschaft nicht viel am Hut haben. Ausschließlich wer aus der eigenen ethnischen Gruppe stammt, wird eingeladen, darf teilnehmen. Auch bei europäischen Treffen des „Deutschen Kulturwerkes“ ist nur zugelassen, wer weiß und arisch ist. Eric Kaden nahm im September 2006 an der „Gästewoche“ des „Kulturwerkes“ in Graz teil.
Überhaupt ist der erfolgreiche Karate-Kampfsportlehrer vielseitig kulturell aktiv. So war er beteiligt an Gruppen wie dem „Freundeskreis Ulrich von Hutten“, in dem sich zahlreiche Alt- und Neonazis seit Jahren gemeinsam mit öffentlichkeitsscheuen Hintergrundakteuren tummeln. Im Schulungslager der militanten „Wiking-Jugend“ gewannen Kadens Kameraden aus dem „Gau Sachsen“ einst den „Bundessingewettstreit“ mit dem Pflichtlied „Und der da vorn die Trommel schlägt“ den ersten Platz.
Sängerfeste und Singewettstreite
Insbesondere in rechten Jugendbünden wie dem „Freibund-Bund Heimat-treuer Jugend“, dem „Sturmvogel – Deutscher Jugendbund“ oder in nationalistischen Burschenschaften wird heute einschlägiges Liedgut, darunter manchmal auch Pflichtlieder der Hitlerjugend, gepflegt. Deren Mitglieder versuchen sich immer wieder an überbündischen oder pfadfinder-nahen Singewettstreiten und Sängerfesten zu beteiligen, oft werden sie inzwischen ausgeschlossen oder bekommen im Vorfeld bereits Hausverbot. Am Würzburger Singewettstreit, der regelmäßig bis 2005 stattfand, nahmen sie jahrelang ungehindert teil. „Der Gedanke an das vergangene Singen und Musizieren“ erfüllt die Anhänger des „Freibund“ „mit Freude“. Auch die verbotene „Heimattreue Deutsche Jugend“ hatte eine eigene „Liedersammlung“, die beim „Amt Beschaffung“ zu besorgen war. Lieder mit rassistischen und antisemitischen Inhalten gehörten dazu, wie es in der Verbotsverfügung heißt.
Durch den wachsenden Einfluss völkisch-nationaler Kreise innerhalb von NPD und Kameradschaften und den steigenden Wert kultureller Veranstaltungen im Innercircle der „Gesinnungsgemeinschaft“ ist es heute möglich auch bei Aufmärschen und Kundgebungen nicht nur das „Lied der Deutschen“, sondern auch NS-Pflichtlieder wie „Ein junges Volk steht auf“ in Gänze anzustimmen.
Kein Brauchtum ohne Volkstanz
Fester Bestandteil rechter Brauchtumspflege ist der Volkstanz. Auch die NPD hat dessen Symbolkraft in den eigenen Reihen erkannt. So beteiligten sich nicht nur HDJ-ler wie die ehemalige „Bundesmädelführerin“ Holle Böhm an einer Tanz-Vorführung beim „Pressefest“ der Neonazi-Partei in Dresden. Zunehmend versuchten Anhänger der HDJ-Einheit „Hermannsland“ oder des kameradschaftsnahen „Heimatbund Pommern“ auch an Tanzveran-staltungen außerhalb ihres politischen Spektrums teilzunehmen. Was nicht immer gelang.
Mittels Brauchtum gesellschaftliche Akzeptanz zu gewinnen, daran versucht sich auch Gerd Rothe. Nach Ansicht von Szenekennern richtet Rothe, der aus dem Umfeld der rassistischen „Artgemeinschaft- Germanische Glaubensgemeinschaft“ stammt, Feiern aus, um Tanzbegeisterte anzulocken. Rothes „9. Ostwestfälischer Volkstanzball“ sollte Mitte März diesen Jahres in Bad Oeynhausen-Rehme stattfinden, doch es regte sich Widerstand. Denn ein Jahr zuvor hatten auch Angehörige des völkischen „Freibundes“ über ihre Teilname an Rothes Ball in der bundeseigenen Zeitschrift berichtet.
Nicht verwunderlich, denn Rothe bewegt sich seit Jahren im braunen Netz. Dennoch war er im November letzten Jahres zur offiziellen Gedenkfeier zum Volkstrauertag in die Altstadt von Bad Oeynhausen von den „Bürgerschützen“ als Redner geladen worden. Nebenher ist der umtriebige Altrechte Flötist im örtlichen Spielmannszug. In seiner Rede sprach Rothe Deutschland von jeglicher Schuld am Ersten Weltkrieg frei und sorgte damit für Empörung und Distanzierung. Ungestörter dagegen konnte der heidnische Aktivist Rothe das diesjährige Maibaumaufstellen im ostwestfälischen Dreyen begleiten. Die Neue Westfälische berichtete verharmlosend: Mit seinem Schifferklavier „lud er zum Mitsingen altbekannter Volkslieder ein“.
Heilbringende Feiern in Sachsen
Eher nach innen gerichtet agiert der „Tanz- und Spielkreis Mitteldeutschland“. Die Gruppe um Kai Pfürstinger lud Ende April zum internen Fest ins Erzgebirge ein. Pfürstinger, Landesvorsitzender der „Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland“ (JLO) und Ausrichter des jährlichen Neonazi-Aufmarsches zur Bombardierung Dresdens mit über 6000 Teilnehmern, beteiligt sich immer wieder an bündischen Treffen. So zum Beispiel im Jahr 2008 beim sogenannten „überbündischen Burgfest“ das bereits seit 1995 jährlich auf wechselnden Burgen stattfindet. Bis 2006 auch unter Beteiligung der HDJ. Seine Anhängerschar findet Pfürstinger u.a. in den Reihen von HDJ, der thüringischen „Schlesischen Jugend“ oder dem heidnisch-religiösen „Bund für Gotterkenntnis – Ludendorff e.V.“. Der Veranstaltungsort wurde bis zuletzt geheim gehalten.
Fotos zeigen Frauen in langen blauen Röcken mit Zöpfen oder Pferdeschwänzen, die sich mit gescheitelten Männern in Zimmermanns- oder Kniebundhosen an den Händen fassen und herumwirbeln. Unter den jungen Tänzern sind auch ehemalige Anhänger der HDJ, einige von ihnen hatten sich im Herbst 2008 an der ersten Wanderung der „Einheit Thüringen“ in Eisenach beteiligt; ein Anderer stammt ursprünglich aus der Kameradschaftsszene in Berlin, posierte immer wieder auf Fotos in der HDJ-Zeitschrift „Funkenflug“, gegen ihn soll bereits wegen des Tragens einer verbotenen Uniform ermittelt worden sein. Männer und Frauen kennen sich aus zahlreichen rechten Organisationen und Vereinen. Nationale Freundschaften und sogar Ehen entstehen bei diesen Festivitäten. Dem Nachwuchs soll ungestört Brauchtum vorgelebt werden.
Insbesondere heidnische Feste wie das Julfest im Dezember, die Sonnenwenden im Sommer und Winter oder die Ostara-Feiern gehören zum Pflichtrepertoire der Szene. Anfang April lud zum Beispiel ein Kreis von Aktivisten, die sich selbst als „Wandergruppe Knotenstock“ bezeichnen, in den Raum Chemnitz „auf einen bekannten 4-Seitenhof“ in Cossen ein. „Gefährten kommt zum Ostarafest“ hieß es in der Einladung. Zur „heilbringenden“ Feier gehörten „Volkstanz, Singewettstreit, Laienspiel und Feuerräderrollen“. Die Teilnehmer reisten für das gemeinsame Wochenende aus Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt an.
In den selben Kreisen fand wenige Wochen später dann auch der traditionelle „Maitanz“ des „Mitteldeutschen Volkstanzkreises“ statt. Die internen Einladungen sollten nur an „vernünftige Kameraden“ weitergeleitet werden, diejenigen die keinen „Weltnetzzugang“ haben, sollten telefonisch informiert werden. In den Amtsblättern der sachsen-anhaltinischen Stadt Landsberg suchte der „Mitteldeutsche Volkstanzkreis“ im April dieses Jahres neue Mitstreiter. Interessierte an „deutschen Volkstänzen“ sollten sich telefonisch melden. Die angegebene Handynummer hatte in den vergangenen Jahren der ehemals militante Neonazi Steffen Hupka genutzt. Hupka, der in Trebnitz bei Halle ein Schulungszentrum errichten wollte, bot nebenher seine antiquarischen Bücher u.a. bei einer Ostertagung der rassistischen Ludendorff-Gemeinschaft 2006 in Dorfmark an. Neonazis sind umtriebige Menschen - vor allem im Hintergrund.
Wandern für Hermann
Auch die NPD fordert mittlerweile ihre Anhänger auf, die deutsche Heimat intensiver kennenzulernen. Dass dabei nicht an harmloses Herumschlendern und Besichtigen gedacht wird, liegt nahe. Neonazis marschieren durch die Natur. Gelände- und Orientierungsmärsche gehören zum Repertoire. Sie besetzen Plätze oder Denkmäler, die sich für ihre politischen Zwecke nutzen lassen. Diese Unternehmungen gehören zum Angebot einer braunen Erlebniswelt, dadurch soll die gesamte Bewegung nachhaltig gefestigt werden. Nicht ungewöhnlich also, dass der stellvertretende NPD-Bundesvorsitzende und Anführer der ario-germanischen „Artgemeinschaft“ Jürgen Rieger eine Reisegruppe Mitte Mai zum Denkmal des germanischen „Freiheitskämpfers Hermann“ im Teutoburger Wald geführt haben soll. Arminius, heute auch Hermann der Cherusker genannt, steht seit Jahren hoch im Kurs bei „heimattreuen“ Neonazis. Sie widmeten ihm ein Theaterstück und lobten seine Taten. In diesem Sinne agieren ehemalige HDJ-ler nach dem Verbot ihrer Organisation in anderen Strukturen weiter. Es gilt sich „auf unser Erbe und unseren hohen Auftrag auf dieser Erde“ zu besinnen, heißt es.
Am Karfreitag, dem 10. April 2009, veranstaltete eine Gruppe von 23 Rechtsextremisten in "Kniebundhosen und Dirndl" eine Wanderung zum Hermannsdenkmal, unter ihnen war auch Christian Fischer, Anhänger der aufgelösten HDJ-Einheit „Hermannsland“. Er möchte besonders seinen jungen Kameraden germanisches Kulturgut nahebringen. Als NPD-Aktivist nahm er im März den Jahrestag der Varus-Schlacht zum Anlass, um auf einer eigens angemeldeten Demonstration geschickt kulturelle Intention mit politischem Fanatismus zu vermischen. Das Motto des Neonazi-Aufmarsches lautete: „2000 Jahre Kampf gegen Überfremdung für nationale Selbstbestimmung“. Im Frühsommer organisierten die „Jungen Nationaldemokraten“ um Fischer nach eigenen Angaben erneut ein Wanderung, diesmal waren die Hügelgräber in Visbek ihr Ziel. Auf der Homepage heißt es dazu: „Der Wandertag wurde nach einem Heldengedenken zu Ehren der Opfer von Vertreibung, Vergewaltigung und Mord im Zuge der angeblichen Befreiung am 8. Mai 1945 mit einem gemeinschaftlichen Grillen in gemütlicher Runde beendet“.
Wandern, Singen und Tanzen gehören zu den gelebten Formen rechten Kulturlebens. Titel und Namen der Gruppen und Vereine können wechseln. Erscheinungsbilder passen sich scheinbar dem gesellschaftlichen Alltag an. Doch Fakt ist: Unter dem Deckmantel zelebrierten Brauchtums verbirgt sich knallharte NS-Ideologie zur Schaffung eines „neuen deutschen Volksstaate“.
Geistiger Background
Eine der geistigen Schulen von alldem ist seit seit 40 Jahren aktiv - die "Gesellschaft für freie Publizistik e.V.". Ihr erstes Treffen fand im Verborgenen statt. Zu Pfingsten 1960 versammelten sich im idyllischen Neustadt an der Weinstraße Verleger, Redakteure, Schriftsteller und Buchhändler, viele von ihnen ehemalige SS- und NSDAP-Angehörige, um sich „gegen eine unheilvolle Entwicklung zu verbinden“ und die „Gesellschaft für freie Publizistik“ zu gründen. Anlässlich der Frankfurter Buchmesse wurde die Gesellschaft dann als eingetragener Verein offiziell unter Führung des ehemaligen stellvertretenden Reichspressechefs der NSDAP, Helmut Sündermann, vorgestellt.
Der Verein ist noch immer aktiv. Auf seiner Homepage feiert er sich selbst: „Nach über 40-jährigem Bestehen und mit vielen hundert Mitgliedern in 15 Ländern der Erde kann die GFP auf eine vielfältige Tätigkeit und erfolgreiche Maßnahmen zurückblicken.“ In diversen Arbeitskreisen „zwischen Hamburg und München“ finden demnach Vortragsveranstaltungen statt. Tatsächlich zählt die extrem rechte Kulturorganisation mit Postfach im baden-württembergischen Oberboihingen mit rund 500 Mitgliedern zu den „personenstärksten“ Organisationen der Szene. Ihr jetziger Vorstandsvorsitzender ist der ehemalige Waldorflehrer und niedersächsische NPD-Spitzenkandidat Andreas Molau. Seit 205 näherte sich die GfP laut Verfassungsschutz der NPD an, mittlerweile sympathisiert sie mit der „Deutschen Volksunion“ (DVU), als deren Pressesprecher Molau inzwischen auftritt.
Die „Gesellschaft für freie Publizistik“ ist neben der „Deutschen Kulturgemeinschaft“ und dem „Freundeskreis Ulrich von Hutten“ eine der ältesten Kulturorganisationen, die weitestgehend unbemerkt im Hintergrund wirken. Unter Führung von fanatischen Altnazis wie Herbert Schweiger oder Lisbeth Grolitsch wurde der ideologische Boden für ein Fortbestehen von nationalsozialistisch geprägter Lebensart genährt. Auch heute noch.
www.mut-gegen-rechte-gewalt.de / hk
Wenn wir solche "Lachnummern" sind, warum lesen Sie hier überhaupt die Artikel und schreiben Sie dann auch noch Kommentare?
@Birgit
Warum ich Kommentare schreibe?
Nun, das könnte vielleicht daran liegen, daß ich kein Talent habe, um Telepathie anwenden zu können.
:)
Ja wer schon eine Herrenrasse aufziehen möchte braucht natürlich auch ein wenig "Kultur". Das was man hier liest klingt dann wirklich nach kulturellem Nährwert. Nur sieht man nach solchen Veranstaltungen dann die kleinen Glatzenköpp, betrunken Gröhlend mit unmöglichem Benhmen durch die Straßen ziehen ... hmm ... das wars dann wieder mit der Leitkultur oder?
Wenn das der Odin wüßte!!! oh oh oh!
heidnisches Brauchtum
Die Kirche hat es in 1000 Jahren nicht geschafft uns zu beseitigen und ihr Lachnummern werdet es auch mit Hetze, wie mit den Wörtern "rassistisch" etc. auch in den nächsten 60 Jahren erst recht nicht schaffen.
Wir haben die letzten 1000 Jahre noch jeden Feind überlebt. Da kommt es auf euch auch nicht mehr an.