Sie sind hier

Deutsche Südosteuropapläne von 1840 bis 1945

Deutsche Südosteuropapläne von 1840 bis 1945

Termin: 
05.07.2012 - 10:07
Veranstaltungort: 
Einsteinhaus
Kornhausplatz 5
Ulm
2008 publizierte Klaus Thörner eine umfangreiche Untersuchung über die deutschen Südosteuropapläne. Die Donau, schrieb der Nationalökonom Friedrich List 1834, sei die "natürliche Straße" von Zentraleuropa in Richtung Schwarzes Meer. Damit sei sie für die deutschen Fürstentümer "die nächste und beste Handelsstraße nach dem westlichen Asien und nach Indien". Da die damaligen Großmächte, vor allem Großbritannien, die Seewege in ihre Kolonien wie etwa Indien beherrschten, blieb den deutschen Fürstentümern nur eine günstige Lösung - sie mussten, so sah es List, den Landweg nehmen. Die Donau entlang bis ans Schwarze Meer, dann weiter durch die Länder des Osmanischen Reichs an den Persischen Golf oder nach Indien: Das war die Expansionslinie, die Friedrich List favorisierte. Jede wirklich bedeutende Nation, auch die deutsche, habe das Recht auf ein "ausgedehntes und wohlarrondiertes Territorium", schrieb List und sah als koloniales Einflussgebiet der deutschen Fürstentümer "die Länder an der unteren Donau und am Schwarzen Meer" vor. Der Ökonom erwähnte explizit, es gehe natürlich auch darum, "den deutschen Manufakturprodukten in jenen Ländern neue Märkte zu eröffnen". "Der ganze Südosten ist unser Hinterland", fasste List die Bedeutung zusammen, die nach seiner Auffassung Südosteuropa für die deutschen Staaten besaß.