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Rassistische Sprache wirkt wie Gift


Ein soeben im Unrast Verlag erschienenes Nachschlagewerk nimmt die deutsche Sprache unter die Lupe und zeigt Strategien gegen eine rassistische Sprachpraxis. Ein Veröffentlichungshinweis.

Dem Geleitwort ist ein Zitat von Victor Klemperer vorangestellt: „Worte können sein wie winzige Arsendosen, sie werden unbemerkt verschluckt, sie scheinen keine Wirkung zu tun, und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da.“ Das fast 800 Seiten starke Buch „Wie Rassismus aus Wörtern spricht – (K)Erben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutsche Sprache“ untersucht den Zusammenhang zwischen Kolonialismus und Rassismus, Wissen, Macht und Sprache.

Vielfalt der Perspektiven und Formen

Unterschiedliche Textformen bilden die Basis dieses alternativen Lexikons: Essays, Analysen, Gespräche, satirische und literarische Texte – die Herausgeberinnen erheben keinen Anspruch auf ein administratives, absolut gültiges Nachschlagewerk. Vielmehr ist das Buch ein Plädoyer für kritische Auseinandersetzung und setzt bewusst auf Perspektivenvielfalt. Daran haben 68 Autorinnen und Autoren mitgewirkt.

Vier Bausteine für eine kritische Auseinandersetzung

Das Nachschlagewerk gliedert sich in vier Teile. Die Beiträge des ersten Teils thematisieren u.a. Phänomene wie Rassismus, Antisemitismus und Kolonialismus in unterschiedlichen historischen Kontexten und Theorien. Im zweiten Teil stehen „Kernkonzepte weißen Wissens“ im Mittelpunkt – die Autorinnen und Autoren hinterfragen kritisch Begriffe, die aus ihrer Sicht die Dominanz weißer europäischer Machtpositionen spiegeln.

Der dritte Teil widmet sich den Möglichkeiten, sich gegen rassistische Sprache zu wehren, und den „konzeptuelle(n) Neuschreibungen von People of Color“. Diese Artikel haben ausschließlich People of Color verfasst: Sie sprechen multiperspektivisch über Rassismus und praktizieren eine Empowerment-Strategie, die „Sprache als Minenfeld bloßstellt und als Heimat einfordert.“ Es geht darum, die „rassistischen Fremdbezeichnungen (...) durch bewusste Eigenbezeichnungen“ zu ersetzen und so auch Widerstand zu leisten. Im letzen Teil analysieren die Autorinnen und Autoren die alltägliche Macht rassistischer Sprachpraxis anhand exemplarischer Begriffe und Betrachtungen. Auch dabei weisen sie auf sprachliche Alternativen hin.

Nachschlagewerk für kritischen Sprachgebrauch

„Wie Rassismus aus Wörtern spricht“ wird man nicht in einem Zug lesen. Man wird es immer wieder zur Hand nehmen, einzelne Begriffe nachschlagen, einen Essay lesen oder ein Gedicht. Sicher schärft das Nachschlagewerk das Bewusstsein dafür, wie giftig Sprache sein kann und welches Gegengift man nutzen kann, um nicht immer wieder die alten Machtverhältnisse zu reproduzieren.


Wie Rassismus aus Wörtern spricht, (K)Erben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutsche Sprache, Ein kritisches Nachschlagewerk; herausgegeben von Susan Arndt und Nadja Ofuatey-Alazard, 786 Seiten, Unrast Verlag, 29.80 Euro

Erfindergeist statt Rassismus