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Praxistipps

Projekte selber machen

Keine guten Aktionen in Ihrer Nähe? Na, dann starten Sie ein eigenes Projekt! Ein kleiner Leitfaden, wie das geht.
Von Vinzenz Kremer und Timo Reinfrank

Rassistische Übergriffe, rechtsextreme Gewalt und antisemitische Schmierereien lösen bei vielen ein Gefühl der Ohnmacht aus. Dagegen könne man ohnehin nichts tun, lautet die weit verbreitete Ansicht. Irrtum! Es gibt viele Möglichkeiten, sich zu engagieren, selbstbestimmt aktiv zu werden, Initiativen und Projekte zu unterstützen, Opfern rechtsextremer Gewalt zu helfen, Drohungen und Einschüchterungen bis hin zu gewalttätigem Handeln erfolgreich und mit nachhaltiger Wirkung zu begegnen. Besser als gut gemeinte Aktionen, die nach außen symbolhaftes Engagement demonstrieren, sind Projekte, die sich auch auf einer tieferen inhaltlichen Ebene mit rechtsextremen Inhalten und menschenverachtendem Gedankengut auseinandersetzen.

Manchmal gibt es schon Initiativen, die Ihre Interessen teilen. Meist existieren diese Initiativen nur auf Grund von vielen aktiven ehrenamtlichen Helfern und können zusätzliche Hilfe gebrauchen. In vielen Regionen aber gibt es überhaupt keine Initiativen. Dann kommt es auf Sie an, ob etwas passiert. Starten Sie ein Projekt!

Wie geht‘s los?
Wenn Sie keine genauen Vorstellungen haben, wie Sie vorgehen können, sollten Sie sich zuerst inhaltlich mit dem Thema beschäftigen, um ein genaues Bild des Problems zu bekommen. Vieles finden Sie im Internet, in Fachzeitschriften, Bibliotheken und Archiven sowie bei offiziellen Stellen und Organisationen. Wenn Sie sich mit dem Thema noch nicht so gut auskennen, ist es wichtig, mit vielen Menschen darüber zu sprechen und sich auch unterschiedliche Meinungen anzuhören.

Wer macht mit?
Wenn Sie auf Dauer nicht alleine stehen wollen oder nur wenige aus Ihrem Bekanntenkreis mitmachen wollen, kümmern Sie sich um Mitstreiter! Am besten ist, wenn Sie Ihr Projekt an zentralen Orten bekannt macht, z.B. Jugendclubs, Universitäten, Schulen, Kneipen, Litfasssäulen, etc.. Es ist wichtig, sich zu überlegen, wen Sie ansprechen wollen, und das Projekt als offene Initiative darzustellen, in der jeder ernst genommen wird, so dass sich niemand scheut, vorbei zu schauen.

Außerdem sollten Sie sich Gedanken darüber machen, wer an Ihren Aktionen in irgendeiner Weise beteiligt sein könnte. Ob hilfreich oder nicht, es ist gut zu wissen, wem Sie alles begegnen werden. Dazu gehören die zuständigen Behörden, Zielgruppen, direkt Betroffene, Gegner, Sympathisanten/Interessierte. Auch wenn Sie manche Beteiligte erst im Laufe Ihrer Aktionen kennen lernen, kann Ihnen ein Überblick über die verschiedenen Interessenlagen, Unterstützungs- und Konfliktpotentiale viel nutzen. Sie können auch andere Organisationen ansprechen, Sie zu unterstützen oder gemeinsame Aktionen zu planen. So könnt Sie Ihrem Anliegen mehr Gewicht verleihen und nützliche Kontakte aufbauen.

Planlos?
Überlegte Aktionen sind besser als blinder Aktionismus. Am Anfang möchten Sie sicher schnell zur Tat schreiten und vor allem handeln. Jedoch ist es entscheidend, wie Sie Probleme und Strategien angehen.

Zum ersten Treffen sollten Sie sich über die Leitziele klar werden. Also: Wie definieren Sie sich? Für was treten Sie ein? Auf welche Art und Weise arbeiten Sie? Wen wollen Sie erreichen? Das ist nicht nur für Sie persönlich zur Orientierung sehr wichtig, sondern auch, wenn Sie an die Öffentlichkeit treten. Gerade wenn Sie Gelder auftreiben wollen oder mit der Presse arbeiten, wird eine Beschreibung des Selbstverständnisses erwartet. Geben Sie der Gruppe eine Struktur! Das soll nicht heißen, einen Chef zu bestimmen, der sagt, wo es langgehen soll. Vereinbaren Sie, wie das Projekt organisiert sein soll: Wer übernimmt welche Aufgaben? Wie, wo und wie oft trifft sich die Projektgruppe? Wie vernetzten Sie sich?

Gut organisiert
In weiteren Schritten sollten Sie auch überlegen, dem Projekt eine formale Struktur zu geben, z.B. ein Verein zu gründen. Das hört sich erst einmal sehr aufwendig, kompliziert und unnötig an, ist es aber nicht. Ein gemeinnütziger Verein bringt viele Vorteile mit sich, vor allem wenn es darum geht, Sponsoren zu finden und öffentliche Fördermittel zu beantragen. So hat ein eingetragener Verein eine gemeinnützige Rechtsform, mit der Sie Steuervergünstigungen bekommen können, die Haftung liegt im Falle von Insolvenz beim Verein, nicht bei Ihnen persönlich, und Sie können öffentliche Gelder einfacher beantragen. Allerdings ist eine Vereinsgründung mit bestimmten Vorgaben verbunden und erfordert auch Menschen, die sich ständig um die geschäftlichen Angelegenheiten (z.B. Kontoführung usw.) kümmern.

Detaillierte Informationen, wie Sie einen Verein gründen können, finden Sie z.B. unter www.wegweiser-buergergesellschaft.de  

Wanted: Ideen!
Wenn Sie nun organisiert sind, ist es an der Zeit, kreativ zu werden und sich für Ihre erste Aktion zu entscheiden. Wenn Sie noch nicht wissen, was Sie machen möchten, ist es sinnvoll, ein gemeinsames Brainstorming zu machen. Dabei produziert jeder von Ihnen in kurzer Zeit so viele Ideen wie möglich – völlig egal ob realistisch, verrückt oder aufwendig. Erst danach wählen Sie aus, ob Sie eine Unterschriftenaktion, Podiumsdiskussion, Demo oder Protestaktion, einen Infostand oder einen Workshop organisieren oder Flugblätter verteilen wollen. Lassen Sie sich etwas einfallen. Wenn Sie die Öffentlichkeit erreichen wollt, muss sich Ihre Aktion abheben.

Tue Gutes und sprich darüber!
... ist eines der Prinzipien der Öffentlichkeitsarbeit. Wenn Sie also Aktionen planen, informieren Sie rechtzeitig die lokalen Medien darüber und versuchen Sie, diese von der Wichtigkeit Ihrer Arbeit zu überzeugen. Wenn Sie möglichst viele Menschen erreichen wollen, kommen Sie um eine regelmäßige Kommunikation mit den entsprechenden Medien nicht herum.
Mehr Tipps zum Thema Öffentlichkeitsarbeit für Projekte gibt es hier.

Spieglein, Spieglein...
Die erste Aktion ist gelaufen? Und Sie sind noch motiviert? Super! Aber auch wenn alles glatt gegangen ist, sollten Sie unbedingt alles noch mal ausführlich reflektieren. Was hat funktioniert? Was sollten Sie ändern? Es ist sehr nützlich, wenn Sie alle Schritte für das nächste Mal festhaltet. Sie werden sehen, alles wird mit Erfahrung einfacher. Wenn schief gegangen ist, was schief gehen konnte, ist das kein Grund, aufzugeben. Beim ersten Mal macht jeder Fehler. Sie werden die gleichen Fehler nicht noch mal machen.

Don’t stop!
Eine Niederlage ist doch auch nur eine Niederlage. Wenn Sie etwas verändern wollen, dürfen Sie nicht an der ersten Hürde aufgeben. Wenn man gesellschaftlich engagiert ist, werden Erfolge oft erst auf Dauer sichtbar. Schon der Versuch zählt, etwas verändern zu wollen.

Unterstützung? Hilfe!!!
Für konkrete Projekte, die sich gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus engagieren, Opfer von rassistischer Gewalt unterstützen oder demokratische Prozesse an Schule oder in der Kommune initiieren wollen, steht etwa in der Amadeu Antonio Stiftung ein Referent für Fragen der Projektkonzeption, der Suche von Referentinnen und Referenten oder Geld zur Verfügung. Sie erreichen ihn unter der Telefonnummer: 030 – 240 886 11. Die Stiftung berät und unterstützt die Projekte inhaltlich, kann Erfahrungen und Kontakte vermitteln und hilft bei der Kontaktaufnahme mit Medien, wie beispielsweise der stern-Aktion "Mut gegen rechte Gewalt", die den Initiativen zu öffentlicher Aufmerksamkeit verhelfen können.

Woher das Geld nehmen?
Lassen Sie sich fördern. Tipps für Fördermöglichkeiten finden Sie hier.

Mehr zum Lesen:
Reden ist Silber Schweigen ist Schrott. Handbuch zur Öffentlichkeitsarbeit. Hg. Von Deutschen Bundesjugendring. Votum Verlag. Bestellung über: info@dbjr.de  

Tipps und Tricks für den radikaldemokratischen Alltag. Informationen zur Planung von Aktionen, Projekten, Öffentlichkeitsarbeit, Bündnisarbeit und rechtliche Hinweise. Ca. 4 Euro. 100 Seiten. Bestellung über: info@jungdemokratinnen.de