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Projekte

  • Mutmacher aus MV

    Kein Ort für Neonazis in Mecklenburg-Vorpommern

    Am 4. September 2011 finden in Mecklenburg-Vorpommern Landtags- und Kommunalwahlen statt. Von der Wahl erhofft sich die NPD einen Wiedereinzug in den Landtag. Die Kampagne „Kein Ort für Neonazis“ der Amadeu Antonio Stiftung will das verhindern.
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  • Mutmacher aus Sachsen

    Wider die Gleichgültigkeit - Keine Duldung brauner Umtriebe in Riesa

    Die Region Riesa zeigt mit dem „Riesaer Appell“, dass sie sich breit gegen die braunen Umtriebe aufstellt. Allerdings wissen die Initiatorinnen und Initiatoren, dass ein Appell nicht ausreicht. Deswegen fand am 17.August ein Treffen der Engagierten statt.
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  • Aktuelle Aktionen

    Mit Respekt im Netz

    Am 25. August startet der youtube-Wettbewerb "361° Respekt". Jugendliche können kreative Videos zum Thema machen und hochladen. Was heißt für Euch Respekt? Der Hauptgewinn: backstage mit den Fantastischen Vier!
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  • Mutmacher aus Sachsen

    2 x 10.000 Euro für sächsische Projekte!

    Das Engagement gegen Rechtsextremismus ist wichtig und muss belohnt werden! Jährlich honoriert der Sächsische Förderpreis für Demokratie couragierte Projekte. Zu gewinnen gibt es 2 x 10.000 und 8 x 500 Euro. Bewerbungsschluss ist der 31. August 2010. Der sächsische Ministerpräsident ist...
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  • Aktuelle Aktionen

    Ausschreibung: 5000 Euro für zivilgesellschaftliches Engagement!

    Bis zu 5000 Euro für ehrenamtliche Initiativen, vergibt auch dieses Jahr wieder das Bündnis für Demokratie und Toleranz. Bewerbungsschluss ist der 20. September 2010.
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  • Mutmacher aus Baden-Württemberg

    Wie bildet sich eine Bewegung gegen Neonazis?

    Breites Antifa-Bündnis und jahrelange, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit verschiedenen Akteurinnen und Akteuren aus Politik und Zivilgesellschaft sind die Grundlage für eine aktive Anti-Nazi-Politik in Mannheim.
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  • Aktuelle Aktionen

    Aufkleber gegen Nazis

    Schon mal eine Idee für einen Sticker gegen Neonazis gehabt, aber kein Geld, um ihn drucken zu lassen? Dann einfach noch bis zum 15. August am Wettbewerb „Sticker Gegen Rechts“ teilnehmen. Der Gewinner bekommt das Motiv 1.000 Mal gedruckt.
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  • Aktuelle Aktionen

    Vor einem Jahr...

    ...wurde Marwa El-Sherbiny im Landgericht Dresden von Axel M. erstochen. Der Bürger.Courage e.V. gedenkt ihr mit der Installation "18 Stiche".
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  • Mutmacher aus Sachsen

    „Appell aus Riesa“ zeigt Neonazis ihre Grenzen

    Die NPD will die Deutungshoheit über die Jugendarbeit in Riesa übernehmen. Fachkräfte der sozialen Arbeit formulieren wertegeleiteten Grundkonsens gegen diesen NPD-Versuch.
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  • Aktuelle Aktionen

    The Party is Over - "Rock für Deutschland" in Gera

    Nachdem im letzten Jahr ca. 4000 Neonazis in das thüringische Gera kamen, will dieses Jahr ein breites Bündnis das Nazifest „Rock für Deutschland“ verhindern.
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Aufklärung ist das beste Mittel gegen Homophobie

Mitglieder des Dresdner Vereins


Nominiert für den Sächsischen Förderpreis für Demokratie 2008: das Projekt "Respekt beginnt im Kopf!" des Dresdner Vereins "Gerede". Das mobile Bildungsprojekt für Schulklassen hat sich zum Ziel gesetzt, Vorurteile gegenüber homosexuellen und transsexuellen Lebensweisen abzubauen.


Immer noch ist das Wort „schwul“ eines der am häufigsten gebrauchten Schimpfwörter auf deutschen Schulhöfen. Daher hat sich das mobile Bildungsprojekt „Respekt beginnt im Kopf!“ zum Ziel gesetzt, Vorurteile abzubauen und feste Vorstellungen über Geschlechterrollen zu hinterfragen. Das Projekt richtet sich an Jugendliche in Schulen und Freizeitgruppen und fördert Denk- und Handlungsstrategien gegen Diskriminierung. Mit Rollenspielen und offenen Gesprächsrunden trägt das Projekt zu einem toleranteren Umgang mit lesbischen oder schwulen Mitschülern im Schulumfeld bei. Zudem werden gezielte Fort- und Weiterbildungen für Lehrkräfte, Jugendleiter und Sozialarbeiter angeboten.


Ein Interview mit Projektleiter Ricardo Wolske:

Warum haben Sie sich für den Sächsischen Förderpreis für Demokratie beworben? Oder anders ausgedrückt: Was hat denn Respekt vor schwulen, lesbischen, bisexuellen und transsexuellen Menschen konkret mit Demokratie zu tun?

Homo-, bi- und transsexuelle Menschen sind Teil unserer Gesellschaft. Dennoch werden sie noch immer nicht vollends integriert. Sie nehmen daher in vielen Fällen nicht an Entscheidungsprozessen teil oder werden in Gesetzen nicht immer mitbedacht und berücksichtigt. Demokratie realisiert sich jedoch im Idealfall nur dann, wenn alle Teile der Gesellschaft an der Organisation von Gemeinschaft aktiv und passiv teilhaben dürfen. Unser Projekt leistet Aufklärung und schafft dadurch ein Bewusstsein, das Demokratie in einer Gesellschaft mit vielfältigen Lebensweisen erst möglich werden lässt.

In unseren Aufklärungsveranstaltungen üben wir, einander im Diskurs zu begegnen, uns über Haltungen, Meinungen, Erfahrungen auszutauschen. Wir versuchen, den gesamtgesellschaftlichen Diskurs zu unterschiedlichsten Themen im Klassenverband am Beispiel „sexuelle Identitäten“ erlebbar zu machen und den Schülerinnen und Schülern zu ermöglichen, einen Umgang damit einzuüben. Nichts bietet sich für dieses soziale Lernen besser an als das Thema sexuelle Identität und Sexualität, denn hier handelt es sich beinahe ausschließlich um ein diskursives Themenfeld mit nur wenigen endgültigen Annahmen und Gewissheiten. Diskurse sind innerhalb einer Demokratie Schlüsselinstrumente, der Umgang mit ihnen sollte erlernt und gelehrt werden.

Bringt es überhaupt etwas, für ein paar Stunden mit diesem Thema in eine Schulklasse zu gehen? Sind die Schülerinnen und Schüler danach wirklich toleranter als vorher?

Als systemisch denkender Pädagoge antworte ich darauf: Ohne Zweifel! Wir machen uns selbst nichts vor und sagen nicht, dass die Schülerinnen und Schüler als tolerante Weltbürger aus unseren Veranstaltungen gehen. Das bestimmt nicht. Wir fokussieren jedoch drei wesentliche Ziele mit unserer Arbeit: Impulse setzen, Begegnung ermöglichen, niedrigschwellige Beratung anbieten.

Wir können in neunzig Minuten keine Schulung „Grundwissen über sexuelle Identität“ durchführen. Was unsere ehrenamtlichen Aufklärerinnen und Aufklärer jedoch leisten können: anfragen und nachfragen, wenn sie mit Klischees und Vorurteilen, mit tradierten Wirklichkeitsauffassungen von Sexualität und Geschlecht konfrontiert werden. Sie können mit Hilfe sexualpädagogischer Methoden den Einzelnen zur Selbstreflexion anregen, wenn es um eigene (Vor-)Haltungen und Erfahrungen geht. Wir gehen wieder, doch wir hinterlassen ganz sicher Fragen und den einen oder anderen bisher nicht gedachten Gedanken.


Christopher Street Day in Dresden

Durch die reale Begegnung mit Menschen nicht heterosexueller Orientierung erweist sich so manches Vorurteil oder vermeintliches Vorwissen als ungeeignet. Menschen passen nun einmal nicht in Begriffe oder Kategorisierungen. In manchen Projekten lassen wir die Teilnehmenden, nachdem sie mit uns bereits eine Zeit lang gearbeitet haben, votieren: „Was glaubt ihr denn, welche sexuelle Orientierung dieser oder jene Aufklärer/in hat?“ Ich selbst lebe offen schwul, passe jedoch in kaum ein Klischee und werde daher von Schülerinnen und Schülern in aller Regel für heterosexuell gehalten. Wenn ich dann (etwas übertrieben affektiert) Kund tue, dass ich „stockschwul“ sei, kommen die meisten aus dem Staunen und „Ungläubig-drein-blicken“ kaum heraus. In einer solchen Begegnung wird deutlich, dass auch nicht heterosexuell lebende und liebende Menschen von anderen kaum zu unterscheiden, einem mal sympathischer und mal unsympatischer sind, eine pauschale Bewertung oder Beurteilung jedoch ungerecht ist.

Die Aufklärungsveranstaltungen dienen auch dazu, um mit unserer Kontakt- und Beratungsstelle über unsere Ehrenamtlichen in Berührung zu kommen. Die Schwelle, um ein Beratungsangebot womöglich in Anspruch zu nehmen und sich dadurch mit Hilfe externer Menschen selbst klarer zu werden über eine womöglich unklare sexuelle Identität, wird herabgesetzt.

Grundsätzlich sind wir natürlich darauf angewiesen, darauf zu vertrauen, dass unsere Besuche in den Klassen durch die zuständige Lehrkraft sowohl vor- als auch nachbereitet werden, soll heißen, dass wir ein wichtiger Teil innerhalb eines Gesamtkonzeptes aus Lehr- und Lernzielen sind, die einem Bildungsprozess Vorschub leisten.

Welche Erfahrungen haben Sie mit den Schulklassen bisher gemacht? Sind Ihnen einige positive Reaktionen besonders in Erinnerung geblieben?

Ich selbst habe vor meiner Anstellung im Gerede e.V. selbst über vier Jahre regelmäßig ehrenamtlich Aufklärungsprojekte durchgeführt. Mein Eindruck ist, dass sich die Jugendlichen, egal welchen Schultyps, nicht allzu sehr voneinander unterscheiden. Sie haben in aller Regel ähnliche Fragen: Ist schwul sein normal? Wann und wie merkt man, dass man lesbisch ist? Wie reagieren die Eltern? Welche Schwierigkeiten hat man als homosexuell oder transsexuell lebender Mensch? Hat man euch schon einmal beschimpft oder geschlagen? Was ist richtige Sexualität?

Auffällig ist, dass es in den Fragen häufig um „Normalität“ und „richtig oder falsch“ geht. Ich frage mich manchmal, ob jemand diesen jungen Menschen hilft, sich ihre Fragen zu beantworten, wenn wir nicht in die Klassen kommen würden, oder ob all diese Fragen ungestellt bleiben würden. Die vielen positiven Rückmeldungen überzeugen uns, dass wir unsere Arbeit weitermachen müssen, aber noch mehr: wir müssen unsere Angebote ständig erweitern und verbessern.

Das Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) an der Universität Bielefeld begleitet das Projekt wissenschaftlich. Inwiefern ist diese Unterstützung relevant für Ihre Arbeit?

Die Langzeitstudie „Deutsche Zustände“ von Prof. Wilhelm Heitmeyer gibt uns einerseits die Möglichkeit, gesamtdeutsche Tendenzen hinsichtlich gruppenbezogener Menschlichkeit zur Kenntnis zu nehmen und aus den Ergebnissen Konsequenzen für unsere konkrete pädagogische Praxis zu ziehen. Praktisch ist die konkrete Begleitung dahingehend relevant, als unsere Aufklärungsarbeit derzeit einer Wirkungsevaluation unterzogen wird. Aus den Ergebnissen erhoffen wir uns Anhaltspunkte für unseren eigenen Prozess der Neuausrichtung, Qualitätssicherung und Professionalisierung unserer Aufklärungsarbeit. In Auftrag gegeben wurde die Evaluation durch die Sächsische Staatskanzlei, die uns innerhalb des Programms „Weltoffenes Sachsen“ fördert.

Der Verein „Gerede“ ist aus der evangelischen Studentengemeinde hervorgegangen – nicht unbedingt die allererste Institution, an die man bei Aufklärungsarbeit über und Beratung für Homosexuelle denkt.

Auch in den 1980er Jahren war das Thema Homosexualität innerhalb der DDR-Kirchen heiß umstritten. Gleichsam waren die (evangelischen) Kirchen und vor allem die hiesige Studentengemeinde ein Ort, wo sich emanzipatorische Gruppen zusammenfinden konnten, um nicht zuletzt auch angesichts der Aufrüstung im Kalten Krieg als emanzipatorische Gruppe die Friedensbewegung anzahlmäßig zu unterstützen. Gemeinsame Feindbilder oder gemeinsame politische Herausforderungen einen die Menschen, wie dieses Beispiel zeigt, und macht alle Verschiedenheiten weniger wichtig.

Dass heute ein solcher Arbeitskreis in der Evangelischen Studentengemeinde gegründet werden würde, wage ich angesichts anhaltender fundamental-religiöser Tendenzen in Sachsen zu bezweifeln. Wir waren am richtigen Ort zur richtigen Zeit. Ich will nicht davon sprechen, dass „Gerede“ dort gegründet wurde. Dem „Arbeitskreis Homosexualität“ standen die Türen offen und Räume wurden bereit gestellt. Als Initiative wurde „Gerede“ Ende 1987 ins Leben gerufen, als sich einige „Betroffene“ in einem alternativen Dresdner Szenetreff zusammenfanden und beschlossen, etwas gegen die öffentliche Diffamierung homosexuell lebender Menschen zu unternehmen. Die meisten Aktivisten der ersten Stunde sind auch heute noch Mitglieder im Verein. Der Name griff die Tatsache auf, dass man als nicht heterosexuell lebend schnell ins Gerede kommen konnte. Dies hat sich auch bis heute gehalten. Wir sprechen noch davon, „ins Gerede zu gehen“. In den ersten zehn Jahren beschränkte sich die Arbeit vor allem darauf, Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen und das zu etablieren, was man heute in vielen Großstädten als schwul-lesbische wahrnimmt.

Auch die Aufklärungsarbeit in Schulen und Jugendgruppen war bereits aktiv, wenn auch rudimentär. 1995 nahmen wir verstärkt Beratungsaufgaben wahr und wurden als freier Träger der Jugendhilfe anerkannt. Verbunden mit sich verändernden Rahmenbedingungen innerhalb der Jugendhilfe wurde schließlich 1998 der erste Sozialpädagoge angestellt. Für die „Gerede“-Arbeit, wie ich sie heute verstehe und vertrete, war dies wohl die entscheidende Initialzündung.

Das Gespräch führte Jan Schwab


Mehr Informationen zum Projekt: www.respekt.gerede-dresden.de
Der Verein "Gerede" im Internet:
www.gerede-dresden.de

Welche Initiativen wurden noch nominiert? Hier erfahren Sie mehr:
http://www.demokratiepreis-sachsen.de/nominiert-2008/


05.11.2008

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