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    Chaos um "Aktion Noteingang"

    Die Berufsbildenden Schulen „Conrad Tack“ in Burg, Sachsen-Anhalt, wollten mit dem Aufkleber „Aktion Noteingang“ zeigen, dass Betroffene von rassistischer Gewalt bei ihnen Hilfe finden. Doch genau dieses Vorhaben wurde jetzt vom Landratsamt, dem Träger der Schule, aus Imagegründen untersagt....
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    Unpolitischer Fußballrock?

    Darunter fällt die Band „Kategorie C- Hungrige Wölfe“ sicherlich nicht. Die meisten Texte sind rassistisch und Gewalt verherrlichend, zudem bestehen enge Verbindungen zur neonazistischen Szene. In Berlin wurde letztes Jahr ein Konzert von KC verhindert. Für den Herbst sind wiederum Konzerte geplant.
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    Dresden in Bad Nenndorf?

    Am 14. August wollen mehr als Tausend Neonazis durch Bad Nenndorf marschieren, um die Geschichte zu verdrehen. Ihre Gegnerinnen und Gegner wollten dies mit einer Blockade verhindern. Durch einen üblen Urteilsspruch verbietet das Verwaltungsgericht Hannover nun die Gegendemonstration.
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    Neonazis in Dortmund – Hochburg der „Autonomen Nationalisten“

    Dass die Dortmunder Neonaziszene eine der bundesweit aktivsten ist, ist mittlerweile auch außerhalb der Dortmunder Stadtgrenzen bekannt. Besonders nach dem Überfall auf eine Demonstration des DGB am 1. Mai 2009, sprechen sogar Lokalpolitiker offen über die Problematik mit der hiesigen...
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    Clown Ferdinand und die NPD

    Die Absage des NPD-Kinderfestes in Anklam von Seiten der Stadt führte zu einem Demonstrationsaufruf der NPD am 31.07. Kinder und Familien sind zentrale Themen der rechtsextremen Ideologie mit welchen sie seit Jahren versuchen sich möglichst bürgerlich zu präsentieren.
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    Rathäuser für Rassistinnen und Rassisten?

    Die Berliner Bürgermeisterinnen und Bürgermeister versuchen seit einem gemeinsamen Beschluss im Januar, öffentliche Räume nicht an Verbände und Parteien mit rechtsradikalen oder rechtspopulistischen Inhalten zu vermieten. Doch NPD und Pro Deutschland hatten mit Klagen vor Gericht Erfolg. Der Pro...
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    Wo war Gera?

    Am letzten Samstag fand in Gera das Neonazi-Festival „Rock für Deutschland“ statt. Viele der Gegendemonstrantinnen und Gegendemonstranten kamen von außerhalb. Eine Reportage aus einer Stadt, die ihr Problem noch nicht wirklich erkannt hat.
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    Im Norden viel Neues

    Im Landkreis Harburg kam es im Frühjahr zu mehreren Neonaziangriffen auf alternative Jugendliche. Die Polizei bagatellisiert die Vorfälle als Rangeleien zwischen Jugendlichen, obwohl Neonazis in der Region wahrlich kein neues Phänomen sind, wie ein Aussteiger aus der Szene berichtet.
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    Schweineköpfe, Glasscherben, Hakenkreuze: Manchmal hat Uwe Dziuballa die Schnauze voll. Sein Restaurant "Schalom" in Chemnitz gibt er dennoch nicht auf.
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    Im Jahr 2009 gab es 17.859 Straf- und Gewalttaten mit rechtsextremem Hintergrund, fünf Tötungsversuche und eine Ermordete. Verfassungsschutz und Innenminister machen sich Sorgen wegen Autonomer Nationalisten und der Vernetzung im Internet.
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1. August: Bad Nenndorf macht gegen Nazis mobil

Naziaufmarsch in Bad Nenndorf 2008

Bad Nenndorf im August letzten Jahres. Hunderte Neonazis marschieren in Reihen von je vier Personen durch die Straßen. Die meisten sind schwarz gekleidet, mit Basecap und Sonnenbrille im Style der so genannten „Autonomen Nationalisten“. Auf Anweisung von NPD-Funktionären nehmen sie die Hände aus den Hosentaschen. „Nationaler Sozialismus – jetzt!“ schreien sie im Chor, auf manchen ihrer T-Shirts steht „88“, ein bei den Nazis beliebter Code für „Heil Hitler“. Mindestens drei Teilnehmer haben Reichskriegsflaggen dabei. So sieht es aus, wenn sich Neonazis treffen, um zu „trauern“. Am 1.8. soll dies wieder geschehen. Doch diesmal will sich die Zivilgesellschaft stärker wehren.

Von Christoph M., jugendzeitung.net

Bad Nenndorf, ein kleiner Kurort in der Nähe von Hannover, wird dieses Jahr zum vierten Mal in Folge zum Ort eines jährlich größer werdenden Neonazi-Aufmarsches. Wieso hier? In Bad Nenndorf liegt das Wincklerbad. Es geriet Ende 2005 in den Blickpunkt der Öffentlichkeit, als britische Medien Vorfälle zur Nachkriegszeit in dem Kurbad beschrieben. Von 1945 bis 1947 diente das Bad britischen Geheimdiensten als Verhörlager, in dem es auch zur Folter von NS-Kriegsverbrechern und vermeintlichen Spionen kam. Bereits 1947 wurde das Lager wegen dieser Vorwürfe geschlossen und die Geschehnisse in einem Prozess in London aufgearbeitet. Dass die britische Tageszeitung „The Guardian“ 2005 in einem Artikel an die Vorfälle erinnerte, kam der Neonaziszene gerade recht.

In ihrem revisionistischen Geschichtsbild sind die Deutschen immer nur Opfer und die Alliierten, die Juden, Sinti und Roma, Kommunisten, die USA, Israel oder einfach „die Ausländer“ die Täter. Ob Dresden, Wunsiedel oder der 1. Mai: Geschichtsverdrehung ist für die Nazis ein zentraler Ansatz, um sich reinzuwaschen. Auch, weil sie damit oftmals an revisionistische Diskurse der Mehrheitsgesellschaft anknüpfen können. Denn auch im deutschen Alltagsdiskurs wird die deutsche Kriegsschuld immer öfter verharmlost.

So gehen zum Beispiel in Dresden jeden Februar nicht nur die Neonazis auf die Straße, um den angeblichen „Bombenholocaust“ zu betrauern, auch viele Menschen aus der Dresdener Bevölkerung halten am gleichen Tag Gedenkfeiern ab und vergessen dabei nur allzu oft den historischen Kontext der alliierten Luftangriffe. Denn um den Krieg zu einem raschen Ende zu führen, sollte auch die deutsche Bevölkerung vor Augen geführt bekommen, was die Nazis hemmungslos im übrigen Europa anrichten. Doch ihre Kriegsverbrechen leugnen die deutschen Neonazis bis heute. Sie wollen auch in Bad Nenndorf den Mythos von den deutschen Opfern propagieren. Die Shoah, der Mord an sechs Millionen Jüdinnen und Juden durch die deutschen Nationalsozialisten, betrauern sie dagegen nicht, im Gegenteil sie verharmlosen, verherrlichen oder verleugnen die Shoah sogar und fordern auch in Bad Nenndorf wieder lauthals einen „Nationalen Sozialismus“.

Am 1. August 2009 wollen die Neonazis nun wieder in Bad Nenndorf aufmarschieren, schon lange wird deutschlandweit dazu mobilisiert. Sie versuchen den kleinen Ort in Niedersachsen, in dem sie sogar schon bis zum Jahr 2030 Aufmärsche angemeldet haben, als Kultstätte für Neonazis zu etablieren. Nachdem dort 2008 zum ersten Mal mehr Neonazis als Gegendemonstranten auf der Straße waren, rufen nun verschiedene antifaschistische und auch bürgerliche Initiativen gemeinsam zu Gegenaktionen auf, um der NS-Verherrlichung entschlossener entgegenzutreten, als im vergangenen Jahr.

Nachsatz der MUT-Redaktion. Was Bad Nenndorf selber plant:

Die Gemeinde selbst will so bunt wie möglich protestieren und appelliert, ausgesprochen farbenfroh den schwarz-trauernden Impetus der Neonazis zu konterkarieren: "Wir wollen aus einer Trauermeile eine krative Meile machen", kündigt Stadtdirektor Bernd Reese an. Kirchen, DGB, das Bündnis Bad Nenndorf ist bunt , die Bürgermeisterin Gudrun Olk wollen bereits am Vorabend des 1. August mit vielfältigen Aktionen beginnen. Der Sonnabend selbst wird mit einem gemeinsamen Glockengeläut aller Kirchen eingeläutet, dann finden von 10 Uhr 30 bis 17 Uhr mehrere Demonstrationszüge, Kundgebungen und Konzerte in Bad Nenndorf statt. Start ist am Vormittag auf dem Bahnhofsvorplatz. Außerdem soll es ein paar "einfallsreiche Aktionen" geben. Auf viele Mitakteure wird gehofft. Es sei "ein neues Bewusstsein" in Bad Nenndorf entstanden, hofft DGB-Regionalsekretär Steffen Holz, der Anmelder der zentralen Gegendemonstration. "Bad Nenndorf wehrt sich" soll auf dem Leittransparent stehen. Weitere Aktionen sind von Initiativen aus der Umgebung geplant, so der "Kritischen Initiative Schaumburg", die dazu aufruft, dem Aufmarsch gänzlich zu verhindern.


Mehr Infos unter:

h
ttp://www.bad-nenndorf-ist-bunt.com/
http://badnenndorf.blogsport.de/
http://kis.blogsport de
So machen die Nazis Propaganda
Zeitgleiche Demo in Hamburg von laut-gegen-nazis

Auch Stolberg bei Aachen droht am 8.8. neue Nazidemo
Bereits am Vortag Proteste in Forchheim (MUT, 26.7.)

www.mut-gegen-rechte-gewalt.de & http://christophm.blogsport.de / Der Artikel erschien zuerst auf www.jugendzeitung.net


logo bad nenndorf

01.07.2009

Kommentare

Man muss leider hinzufügen, dass in den letzten Jahren die große lokale Öffentlichkeit mit demonstrativem Desinteresse und Abwesenheit glänzte und daher die Nazis überhaupt erst diesen Marsch erfolgreich etablieren konnten. Eher hat man lieber die Gegendemonstranten kriminalisiert und als unerwünscht erklärt. Nun ist das Kind in den Brunnen gefallen und man beginnt prompt mit Aktionen. Warum muss ein Problem erst groß werden, bevor man es bekämpft?

So ging es übrigens aus: Mehr als 1100 Demonstranten stellten die Nazis am Samstag in die Ecke, deren Zahl insgesamt 500-700 ausmachte. Rund 150 davon durften aber nicht mitlaufen, weil sie sich weigerten, eine Taschenkontrolle mit sich machen zu lassen...hm warum wohl?? Bad Nenndorf wurde in diesem Jahr jedenfalls endlich bunt und standhaft. Zur weiteren Information dieser erste Link:
http://www.bad-nenndorf-ist-bunt.com/blog1.php/2009/08/01/ueber-1-000-bunte-gegendemonstranten-ers

Carla Kolumna

Hier noch ein weiterer Link über den Verlauf des Tages: http://www.n-tv.de/politik/Tausende-gegen-Rechts-article443907.html

Carla Kolumna

...na dann eben so:

Neonazis stoßen erstmals auf Widerstand

Eine Reportage für MUT von Tobias Korn, Bad Nennstedt

Im niedersächsischen Kurort Bad Nenndorf (Kreis Schaumburg) sind am Sonnabend rund 700 Neonazis aufmarschiert. Die Teilnehmerzahlen der alljährlichen „Trauermärsche“ zeigen, dass sich die Kleinstadt zum Wallfahrtsort der Rechtsradikalen entwickelt hat. Erstmals regte sich jedoch zivilgesellschaftlicher Protest gegen die Geschichtsfälscher.

Bad Nenndorf. Es war der größte Neonazi-Aufmarsch in Norddeutschland in diesem Jahr. Mehr als 700 Rechte marschierten vom Bahnhof zum „Wincklerbad“. In dem Bad, das 1945 bis 1947 britisches Militärgefängnis war, wurden einige Inhaftierte gefoltert. Unter den Insassen war auch SS-General Oswald Pohl, der als „Verwalter der Konzentrationslager“ gilt. 2006 hat eine britische Zeitung die Misshandlungen, die 1947 zur Schließung des Gefängnisses geführt hatten, neu aufgerollt. Dies nahmen die Schaumburger Neonazis auf, marschierten dort im ersten Jahr mehrmals auf und begannen, den „Trauermarsch“ zu einer bundesweit bedeutenden Demo zu machen.

Versammlungsleiter Christian Müller, der auch im vergangenen Jahr für den Aufmarsch verantwortlich war, konnte gegen 15 Uhr mit einem Ersatzfahrzeug die Demonstration starten. Müller, der offenbar inzwischen in Sachsen gemeldet ist, übernahm nach dem Haftantritt des Anmelders und Initiator der „Trauermärsche“, Marcus Winter, die Organisation. Aufgrund des „verkehrsunsicheren Zustandes“ des Lautsprecherwagens verbot die Polizei dem Fahrer die Weiterfahrt und die Neonazis mussten sich einen LKW mieten.

Bis 2030 sind die jährlichen Neonazi-Demos durch den 10-000-Einwohner-Ort angemeldet. Zu den Mitinitiatoren zählt auch Thomas „Steiner“ Wulff. Der Neonazi-Kader hat mit dem „Ehrenkomitee 8. Mai“ dafür gesorgt, dass die Bedeutung des Aufmarsches weiter zunimmt.

Protest gegen Neonazis

An einer Gegendemonstration des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) beteiligten sich am Sonnabend über 1000 Menschen. Aufgerufen dazu hatte das Bündnis „Bad Nenndorf ist bunt“. In den zurückliegenden Jahren – seit 2006 marschieren die Neonazis zum sogenannten „Trauermarsch“ auf – hatte es kaum Widerstand in der Bevölkerung gegeben.

Zusätzlich zur Demo hatten rund 120 linke Nazigegner bereits ab 6 Uhr morgens versucht das „Wincklerbad“ zu blockieren. Mit einer Beton-Pyramide versuchten. Erst nach mehr als sieben Stunden wurden sie von der Polizei geräumt. Dabei wurde eine Demonstrantin verletzt. Als die Neonazis vor dem „Wincklerbad“ aufmarschierten protestierten vier Jugendliche auf dem Dach des Gebäudes, weitere Gegendemonstranten standen an den Polizei-Absperrungen.

Mit einer Verspätung von rund drei Stunden begann der neonazistische Aufmarsch. Im Vorfeld war die Polizei von einer Teilnehmerzahl bei dem „Trauermarsch“ von „500 plus X“ ausgegangen. Eine „große Gruppe gewaltbereiter Autonomer Nationalisten“ sei nach Polizeiangaben auf dem Weg zur Demonstration gewesen.

Über 700 Rechte marschieren

Rund 130 Neonazis verweigerten sich den Kontrollen, die zur Teilnahme an der Demo nötig waren. Diese Gruppe durfte nicht zu den „Kameraden“ auf dem Bahnhofsvorplatz. An hunderte andere Rechtsradikale verteilte die Polizei weiße T-Shirts, da die Rechten sonst gegen die Auflagen verstoßen hätten. Somit konnten mehr als 700 der knapp 900 angereisten Neonazis an dem Aufmarsch teilnehmen.

Zahlreiche Äpfel und Steine flogen während der rund dreistündigen Wartezeit vor dem Bad Nenndorfer Bahnhof auf anwesende Journalisten. Die Steineschmeißer wurden nicht festgenommen.

Aus weiten Teilen Niedersachsens reisten Neonazis an. Neben der „Kameradschaft Nordheim“ aus Südniedersachsen waren zahlreiche Rechte aus der Heide angereist. Auch die „Kameradschaft 73“ aus Celle war mit involviert. Besonders junge Rechte kamen aus Tostedt (Kreis Harburg). Unter den Rechtsradikalen aus Nordrhein-Westfalen waren vor allem die „Autonomen Nationalisten“ aus Dortmund um Dennis Giemsch, der auch als Redner auftrat, sowie Gruppierungen aus Ostwestfalen-Lippe. Auch der „Hildesheimer Widerstand“ um den Neonazi Dieter Riefling war mit einem Transparent vertreten. Zahlreiche Funktionäre der inzwischen verbotenen „Heimattreuen Deutschen Jugend“ marschierten unter dem Label „Die deutsche Jugend“ mit.

Neonazis aus Dessau und anderen Teilen Sachsen-Anhalts waren ebenso wie Personen aus Thüringen anwesend. Selbst aus Schleswig-Holstein reisten die Demo-Teilnehmer an. Trotz des aktuellen Wahlkampfes trat die NPD nicht in Erscheinung. Zwar waren auch hochrangige Parteimitglieder vor Ort, jedoch lediglich solche, die für ihre guten Kontakte zu den „Freien Kräften“ bekannt sind.

Redner hetzen gegen Demokratie

Auch Geschichtsverdreher aus dem europäischen Ausland waren zum Aufmarsch angereist. Stellvertretend für den Chef der Niederländischen Volksunion, Constant Kusters, verlas Parteisekretär Christian Malcoci die Grußworte aus Holland. Kusters war im vergangenen Jahr nach seiner antisemitischen Hetzrede vor dem „Wincklerbad“ unter anderem wegen Volksverhetzung angezeigt worden.

Vor dem „Wincklerbad“, dem ehemaligen britischen Gefängnis, sprachen Patrick Fischer aus Leipzig sowie Sven Skoda aus Düsseldorf. Dann ergriff Dennis Giemsch das Mikrofon. Auf der zweiten Kundgebung wurden „Grußbotschaften“ voller Hass aus Österreich und den Niederlanden verlesen. Andreas Biere von den „Freien Kräften“ aus Magdeburg sowie der sichtlich aufgeregte Christian Weißgerber aus Thüringen sprachen zu den „Trauernden“, die dann den Rückweg zum Bahnhof antraten. Offen sprachen sich die Redner für den Nationalsozialismus aus und hetzten gegen die Demokratie.

Nazi-Lied zum Abschluss

Einige Neonazis, darunter Inge Nottelmann aus Hamburg, begleiteten den „Trauermarsch“ mit Pauken. Diese kamen unter anderem auf dem Bahnhofsvorplatz zum Einsatz. Anschließend stimmten die Rechtsradikalen das Hitlerjugend-Lied „Ein junges Volk steht auf“ an, was sie auch ohne Störung beendeten. Dieses NS-Lied wird vom Verfassungsschutz mehrerer Bundesländer als strafrechtlich relevant eingeschätzt. Die Polizei schritt jedoch nicht ein.

...sicherheitshalber nochmal, jetzt richtig:

Neonazis stoßen erstmals auf Widerstand

Eine Reportage für MUT von Tobias Korn, Bad Nenndorf

Im niedersächsischen Kurort Bad Nenndorf (Kreis Schaumburg) sind am Sonnabend rund 700 Neonazis aufmarschiert. Die Teilnehmerzahlen der alljährlichen „Trauermärsche“ zeigen, dass sich die Kleinstadt zum Wallfahrtsort der Rechtsradikalen entwickelt hat. Erstmals regte sich jedoch zivilgesellschaftlicher Protest gegen die Geschichtsfälscher.

Bad Nenndorf. Es war der größte Neonazi-Aufmarsch in Norddeutschland in diesem Jahr. Mehr als 700 Rechte marschierten vom Bahnhof zum „Wincklerbad“. In dem Bad, das 1945 bis 1947 britisches Militärgefängnis war, wurden einige Inhaftierte gefoltert. Unter den Insassen war auch SS-General Oswald Pohl, der als „Verwalter der Konzentrationslager“ gilt. 2006 hat eine britische Zeitung die Misshandlungen, die 1947 zur Schließung des Gefängnisses geführt hatten, neu aufgerollt. Dies nahmen die Schaumburger Neonazis auf, marschierten dort im ersten Jahr mehrmals auf und begannen, den „Trauermarsch“ zu einer bundesweit bedeutenden Demo zu machen.

Versammlungsleiter Christian Müller, der auch im vergangenen Jahr für den Aufmarsch verantwortlich war, konnte gegen 15 Uhr mit einem Ersatzfahrzeug die Demonstration starten. Müller, der offenbar inzwischen in Sachsen gemeldet ist, übernahm nach dem Haftantritt des Anmelders und Initiator der „Trauermärsche“, Marcus Winter, die Organisation. Aufgrund des „verkehrsunsicheren Zustandes“ des Lautsprecherwagens verbot die Polizei dem Fahrer die Weiterfahrt und die Neonazis mussten sich einen LKW mieten.

Bis 2030 sind die jährlichen Neonazi-Demos durch den 10-000-Einwohner-Ort angemeldet. Zu den Mitinitiatoren zählt auch Thomas „Steiner“ Wulff. Der Neonazi-Kader hat mit dem „Ehrenkomitee 8. Mai“ dafür gesorgt, dass die Bedeutung des Aufmarsches weiter zunimmt.

Protest gegen Neonazis

An einer Gegendemonstration des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) beteiligten sich am Sonnabend über 1000 Menschen. Aufgerufen dazu hatte das Bündnis „Bad Nenndorf ist bunt“. In den zurückliegenden Jahren – seit 2006 marschieren die Neonazis zum sogenannten „Trauermarsch“ auf – hatte es kaum Widerstand in der Bevölkerung gegeben.

Zusätzlich zur Demo hatten rund 120 linke Nazigegner bereits ab 6 Uhr morgens versucht das „Wincklerbad“ zu blockieren. Mit einer Beton-Pyramide versuchten. Erst nach mehr als sieben Stunden wurden sie von der Polizei geräumt. Dabei wurde eine Demonstrantin verletzt. Als die Neonazis vor dem „Wincklerbad“ aufmarschierten protestierten vier Jugendliche auf dem Dach des Gebäudes, weitere Gegendemonstranten standen an den Polizei-Absperrungen.

Mit einer Verspätung von rund drei Stunden begann der neonazistische Aufmarsch. Im Vorfeld war die Polizei von einer Teilnehmerzahl bei dem „Trauermarsch“ von „500 plus X“ ausgegangen. Eine „große Gruppe gewaltbereiter Autonomer Nationalisten“ sei nach Polizeiangaben auf dem Weg zur Demonstration gewesen.

Über 700 Rechte marschieren

Rund 130 Neonazis verweigerten sich den Kontrollen, die zur Teilnahme an der Demo nötig waren. Diese Gruppe durfte nicht zu den „Kameraden“ auf dem Bahnhofsvorplatz. An hunderte andere Rechtsradikale verteilte die Polizei weiße T-Shirts, da die Rechten sonst gegen die Auflagen verstoßen hätten. Somit konnten mehr als 700 der knapp 900 angereisten Neonazis an dem Aufmarsch teilnehmen.

Zahlreiche Äpfel und Steine flogen während der rund dreistündigen Wartezeit vor dem Bad Nenndorfer Bahnhof auf anwesende Journalisten. Die Steineschmeißer wurden nicht festgenommen.

Aus weiten Teilen Niedersachsens reisten Neonazis an. Neben der „Kameradschaft Nordheim“ aus Südniedersachsen waren zahlreiche Rechte aus der Heide angereist. Auch die „Kameradschaft 73“ aus Celle war mit involviert. Besonders junge Rechte kamen aus Tostedt (Kreis Harburg). Unter den Rechtsradikalen aus Nordrhein-Westfalen waren vor allem die „Autonomen Nationalisten“ aus Dortmund um Dennis Giemsch, der auch als Redner auftrat, sowie Gruppierungen aus Ostwestfalen-Lippe. Auch der „Hildesheimer Widerstand“ um den Neonazi Dieter Riefling war mit einem Transparent vertreten. Zahlreiche Funktionäre der inzwischen verbotenen „Heimattreuen Deutschen Jugend“ marschierten unter dem Label „Die deutsche Jugend“ mit.

Neonazis aus Dessau und anderen Teilen Sachsen-Anhalts waren ebenso wie Personen aus Thüringen anwesend. Selbst aus Schleswig-Holstein reisten die Demo-Teilnehmer an. Trotz des aktuellen Wahlkampfes trat die NPD nicht in Erscheinung. Zwar waren auch hochrangige Parteimitglieder vor Ort, jedoch lediglich solche, die für ihre guten Kontakte zu den „Freien Kräften“ bekannt sind.

Redner hetzen gegen Demokratie

Auch Geschichtsverdreher aus dem europäischen Ausland waren zum Aufmarsch angereist. Stellvertretend für den Chef der Niederländischen Volksunion, Constant Kusters, verlas Parteisekretär Christian Malcoci die Grußworte aus Holland. Kusters war im vergangenen Jahr nach seiner antisemitischen Hetzrede vor dem „Wincklerbad“ unter anderem wegen Volksverhetzung angezeigt worden.

Vor dem „Wincklerbad“, dem ehemaligen britischen Gefängnis, sprachen Patrick Fischer aus Leipzig sowie Sven Skoda aus Düsseldorf. Dann ergriff Dennis Giemsch das Mikrofon. Auf der zweiten Kundgebung wurden „Grußbotschaften“ voller Hass aus Österreich und den Niederlanden verlesen. Andreas Biere von den „Freien Kräften“ aus Magdeburg sowie der sichtlich aufgeregte Christian Weißgerber aus Thüringen sprachen zu den „Trauernden“, die dann den Rückweg zum Bahnhof antraten. Offen sprachen sich die Redner für den Nationalsozialismus aus und hetzten gegen die Demokratie.

Nazi-Lied zum Abschluss

Einige Neonazis, darunter Inge Nottelmann aus Hamburg, begleiteten den „Trauermarsch“ mit Pauken. Diese kamen unter anderem auf dem Bahnhofsvorplatz zum Einsatz. Anschließend stimmten die Rechtsradikalen das Hitlerjugend-Lied „Ein junges Volk steht auf“ an, was sie auch ohne Störung beendeten. Dieses NS-Lied wird vom Verfassungsschutz mehrerer Bundesländer als strafrechtlich relevant eingeschätzt. Die Polizei schritt jedoch nicht ein.

hier eine weitere Reportage, extra für MUT:

Tausend Menschen und eine Pyramide gegen Neonazis

Von Christoph M.

Das Gute vorweg: Es waren mehr Gegendemonstranten und Gegendemonstrantinnen als Neonazis auf der Straße. Das war nicht immer so. Im vergangenen Jahr marschierten im niedersächsischen Bad Nenndorf 400 Rechtsextreme auf und gerade einmal 250 Menschen zeigten, dass sie etwas dagegen hatten. Nun waren die Gegendemonstranten also in der Überzahl: Als am Samstag die Neonazis nach Bad Nenndorf gekommen waren, um vorgeblich zu trauern und damit ihre Täter-Opfer-Verkehrung zu inszenieren, demonstrierten mehr als 1.100 Menschen dagegen. Doch auch die Neonazis hatten personell zugelegt: Mehr als 600 von ihnen nahmen an dem Aufmarsch am vergangenen Samstag teil. Weitere 130 wurden von der Polizei gleich am Bahnhof wieder zurückgeschickt. Sie hatten sich geweigert die strengen Kontrollen der Polizei über sich ergehen zu lassen. Die Polizisten hatten sowohl die Neonazis als auch die meisten angereisten Gegendemonstranten einzeln durchsucht.

Zu den Auflagen der Polizei gehörte auch, dass die Neonazis sich nicht zu einem „schwarzen Block“ formieren durften und das Verbot einer Uniformierung. Für diese sorgte die Polizei dann letztlich allerdings selbst, als sie den Rechtsextremen hunderte weiße T-Shirts spendierte.
„Um die Auflagen umzusetzen und zu verhindern, dass es zu unangenehmen Situationen kommt, haben wir den Teilnehmern, von denen wir schwarze T-Shirts und Pullover vorübergehend beschlagnahmt haben, weiße T-Shirts zur Verfügung gestellt.“, erklärt ein Polizeisprecher. Rund um das Wincklerbad ergab das ein gespenstisches Bild. Hunderte Neonazis marschierten in Formation aus je vier Personen, fast alle in den schlichten weißen T-Shirts der Polizei, schweigend durch die Straßen. Aussagekräftig waren die Slogans auf den Transparenten der Nazis und die Parolen, die aus den Lautsprecherwagen gebrüllt wurden: „Ich hasse diese Demokratie“, „Nationaler Sozialismus, jetzt!“ und „Wir tun alles für ein nationalsozialistisches Deutschland!.“ Mit Parolen wie diesen, machten die Neonazis wieder ganz klar, dass es ihnen nicht darum ging zu „trauern“, sondern den Nationalsozialismus zu verherrlichen.

Ganz ungestört konnten die Neonazis dies vergangenen Samstag aber nicht tun. Überall auf der Strecke der Nazis hingen Banner und Plakate von Vereinen und Parteien, auf denen zu lesen, war, was sie von den Rechtsextremen halten: „Nazis raus“ und „Wir sind gegen Rechtsextremismus und Rassismus“. Außerdem war es einigen Antifaschisten und Antifaschistinnen trotz der rigorosen Absperrungen der Polizei gelungen in Rufweite der Nazis zu gelangen. Schon früh am Morgen sorgte eine andere Aktion für Aufmerksamkeit. Gegen sechs Uhr war es einer Gruppe von Nazigegnern gelungen vor dem Winklerbad eine Blockade zu errichten. Mehrere Aktivisten ketteten sich an eine selbst gebaute Pyramide aus Holz und Beton. Diese Aktionsform war bisher vor allem von den Anti-Castor Protesten im Wendland bekannt. Die Polizei wurde von der Aktion überrascht und brauchte Stunden, um den Platz zu räumen. Der Aufmarsch der Neonazis konnte so um Stunden verzögert werden.

Diese Aktion löste bei den Anwohnern geteilte Meinungen aus. Viele hatten sich Stühle in den Vorgarten gestellt oder sich auf dem Balkon versammelt um den Aufmarsch der Rechtsextremen zu verfolgen. Eine ältere Dame bemerkte die Anti-Nazi Aktivisten, die sich an die Pyramide ketteten, hätten wohl keinen Verstand oder gar ihre Menschenwürde verloren. Es gab aber auch zahlreiche Anwohner und Anwohnerinnen, die erkannten, dass es vor allem die Neonazis sind, die gegen die Menschenwürde hetzen. Etwa Sabine Erdmenger, die einen kleinen Bioladen betreibt und gar nicht damit einverstanden ist, dass die Neonazis jedes Jahr aufs Neue an ihrem Laden vorbei marschieren. „Ich verstehe nicht, warum sich hier so viele nur darüber aufregen, dass sie wegen der Demos einen Tag im Jahr kein Auto fahren können, statt sich über die Nazis und ihre Gesinnung zu beschweren.“, erklärt Erdmenger. Im letzten Jahr, hat sie Antifaschisten und Antifaschistinnen, die von der Polizei gejagt wurden, sich hinter ihren Ladenregalen verstecken lassen. Aber auch Polizistinnen lässt sie auf ihre Toilette. „Nur wenn Nazi kommen würden, würde ich ganz klar sagen: „Nazis raus!“. Sie sympathisiert eindeutig mit den Gegendemonstranten.

Diese waren am Samstag laut und bunt durch den Kurort gezogen. Antifa-Gruppen, Gewerkschaften, Parteien, Bürgerinitiativen und Sportvereinen hatten zu der Demonstration aufgerufen und mehr als Tausend Menschen waren gekommen um die Nazi-Propaganda nicht unwidersprochen zu lassen. Sebastian Wertmüller der die Demonstration für den DGB angemeldet hatte, zeigte sich mit dem Ablauf der Proteste hoch erfreut. Endlich hätte sich ein größerer zivilgesellschaftlicher Protest formiert. Nun wünscht er sich, dass die Öffentlichkeit dem Problem Rechtsextremismus auch dauerhaft die nötige Aufmerksamkeit schenkt: Er rief bei der zentralen Kundgebung zu einem schnellen und entschiedenen Handeln auf, wann immer sich Rechtsextremisten versammelten. Wertmüller verlangte ausserdem dauerhaft eine bessere Aufklärungsarbeit gegen Rassismus, Rechtsextremismus und Antisemitismus in Niedersachsen

Christoph M. (http://christophm.blogsport.de/)

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