Sie sind hier

Reportagen

Hochburgen der NPD in Mecklenburg-Vorpommern

heimatbundpommern.jpg

Heimatbund Pommern


In den letzten Wochen haben wir erfahren, wie und mit welchen Themen die NPD vor der Landtagswahl 2011 arbeitet. Wo diese Arbeit organisiert wird und das neonazistische Gedankengut besonders verankert ist, wird heute thematisiert.


Von Paul Grins

Wie in kaum einem anderen Bundesland sind in Mecklenburg-Vorpommern Nazis aus der „freien Kameradschaftsszene“ in die Parteiarbeit der NPD involviert. Das lässt sich zurückführen auf die Zusage der gegenseitigen Unterstützung zwischen NPD und „freier Szene“, die zwischen 2004 und 2005 entstand. Eine Beschreibung der NPD Hochburgen des Landes wird somit schnell eine Beschreibung der Kameradschaftsszene. Regionen erhöhter Aktivität sind dennoch zu erkennen und zu differenzieren. Vor allem in Vorpommern, also dem östlichen Teil des Bundeslandes, sind eher die „freien Kräfte“, das heißt Kameradschaften oder Autonome Nationalisten, etabliert und organisiert. Wohingegen klassische Parteistrukturen und Aktivitäten, wenn überhaupt, nur in wenigen Regionen des Landes zu finden sind. Dies resultiert aus der Entwicklung der NPD in Mecklenburg-Vorpommern. Von den ersten Aktivitäten der Partei nach der Wende bis zum Schulterschluss schwankte die Mitgliederzahl zwischen 100 und 350. Aktive Kreisverbände gab es nur wenige, worunter Ludwigslust durch die Aktivität von Stefan Köster, noch als aktivster galt. Es wurde zwar auch versucht, im Osten des Landes Parteistrukturen zu etablieren. Konstante Parteiarbeit konnte aber nicht geleistet werden. Eine Definition von NPD Hochburgen über klassische Parteistrukturen erscheint somit schwer und zu kurz gegriffen.

Kameradschaften als Hochburgen

Die Entstehung fester Kameradschaftsstrukturen im pommernschen Raum sind zurückzuführen auf Aktivitäten der mittlerweile verbotenen Skinhead-Organisation Blood & Honour in den Neunzigern. Sie veranstaltete in Klein Bünzow in Ostvorpommern zahlreiche Konzerte und konnte auch Dank der Ignoranz der Lokalpolitik ihr Netzwerk etablieren und die Region politisieren. In Folge dessen bildeten sich viele, bis heute aktive Kameradschaften aus dieser Region, von denen sich einige im Februar 2005 im Sozialen und Nationalen Bündnis Pommern (SNBP) als Dachverband der Kameradschaften im pommerschen Raum zusammenfanden. Dieses organisierte im Rahmen einer Bildungsoffensive Schulungen, in denen Kader ausgebildet und mit den passenden Positionen ausgestattet werden sollten. Daneben bietet das Bündnis die Basis für publizistische und ökonomische Entwicklungen in der Region. Heute tritt das Bündnis als „Freies Pommern“ auf und ist laut Verfassungsschutzbericht von 2010 eine der aktivsten Kameradschaften. Die Untergruppe „Heimatbund Pommern“ (HBP) beispielsweise war seit 2002 als eingetragener Verein in Ostvorpommern und Uecker-Randow aktiv. Mittlerweile führt die Organisation die Arbeit vermutlich unter dem neuem Namen „Jugendbund Pommern“ fort. Trotz Namensänderung konzentriert sich die Gruppe weiterhin auf Jugendarbeit und kombiniert diese mit der Ideologievermittlung zum Beispiel über ein vierteljährlich erscheinendes Faltblatt für Jugendliche und Kinder.

Hochburgen im Alltag

Neben den Aktivitäten der Kameradschaften vor allem im Osten des Bundeslandes findet neonazistisches Gedankengut noch über ganz andere Wege Etablierung. Läden in denen szenetypische Kleidung oder CDs und DVDs verkauft werden sowie Versandshops, die über das Internet mit unter ganz Europa beliefern, sind in Mecklenburg-Vorpommern verbreitet. Rund zehn Szeneläden dieser Art sollen in Mecklenburg-Vorpommern existieren. Prominentere sind das „New Dawn“ in Anklam, „Zutt’s Patriotentreff“ in Waren oder der „Werwolfshop“ in Wismar. Diese Läden dienen aber nicht nur der Verbreitung von Kleidung, CDs oder Informationsmaterial. Gleichzeitig gelten sie als Kommunikationsplattform und Treffpunkt für die etablierte Szene vor Ort. Prominentestes Beispiel ist das „Thing Haus“ in Grevesmühlen. Einerseits gilt dieses als Bürgerbüro der NPD andererseits wird es häufig als Veranstaltungsort für beispielsweise Konzerte genutzt. Auch als Treffpunkt der „Hammerskins“, eine vom Verfassungsschutz als gewaltbereit eingestufte Skinhead-Truppe, dient das Haus. Ein Mitglied dieser Gruppe etablierte wiederum ein „nationales Wohnprojekt“ in dem kleinen Dorf Salchow in Ostvorpommern. Hier ist ebenfalls Raum für Schulungen oder Konzerte. Im Wahlkampf zur Landtagswahl 2006 entpuppte sich das Wohnprojekt auch als Logistikzentrale und Lagerhalle für die NPD.

Was bei der Recherche zu Hochburgen der NPD in Mecklenburg Vorpommern deutlich wird sind zwei Aspekte. Einerseits gibt es nur wenig klassische Parteistrukturen, die eine konkrete lokale Zuschreibung einer Hochburg ermöglichen würden. Andererseits ist die Etablierung des neonazistischen Gedankenguts etwas prozesshaftes. Das heißt, dass eine Bestimmung der Hochburgen anhand der alle vier bis fünf Jahren abgegebenen Stimmen, wenn überhaupt nur einen Ausschnitt der Realität beschreibt.

Foto: Heimatbund Pommern 2006 in Mecklenburg-Vorpommern

NPD-Wahlkampf – Thematisch taktieren oder taktisch thematisieren?