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Hansa Rostock ist „Kein Ort für Neonazis“

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Timo Reinfrank, Bernd Hofmann, Wolfgang Thierse

 
Dass Neonazis im Fan-Milieu von Hansa Rostock eine feste Größe sind, ist keine Neuigkeit. Mit einer klaren Positionierung gegen Diskriminierung will der Verein jetzt ein Vorbild sein und unterstützt die Kampagne „Kein Ort für Neonazis“ in Mecklenburg-Vorpommern.

Von Robert Fähmel

Die Anhängerinnen und Anhänger des Traditionsvereins FC Hansa Rostock haben seit jeher den Ruf, ein Sammelbecken für Neonazis zu sein. Vor allem die Feindschaft zwischen Hansa-Fans und den Anhängern des Hamburger Vereins FC St. Pauli, die als linksdominiert gelten, unterstreichen diesen Eindruck in der öffentlichen Wahrnehmung. Regelmäßige Krawalle zwischen den verfeindeten Fankreisen legen die Vermutung nahe, dass die Ursache hierfür neben der Unterstützung für den eigenen Verein auch eine politische Positionierung der Fangruppen ist.

Erst Anfang August überfiel eine größere Gruppe vermummter Hooligans ein Hamburger Vereinsheim, in dem sich Fan-Gruppierungen von St. Pauli auf ein Spiel vorbereiteten. Der erste Verdacht fiel dabei sofort auf Anhängerinnen und Anhänger des 1. FC Hansa Rostock. Vorausgegangen war ein Rauswurf einer Delegation der NPD aus dem Rostocker Stadion. Eine Gruppe von etwa 150 Hansa-Fans drängte dabei den Fraktionsvorsitzenden Udo Pastörs und seine Begleiter unter „Nazis Raus!“-Rufen aus dem Stadion. In Szenekreisen wurde schnell ein Zusammenhang zum Überfall in Hamburg vermutet, doch die Polizei sucht die Täterinnen und Täter im Umfeld des Hamburger Sportvereins.

„Sowohl rechts, als auch links“

Auch wenn es sich bei der Aktion um einen erfolgreichen Denkzettel für die NPD handelt, kann diese nur bedingt als klares Bekenntnis gegen Neonazis und Rassismus bewertet werden. Dass sich die Fangruppierung „Suptras Rostock“ gegen den Besuch der NPD-Delegation nicht aufgrund ihrer neonazistischen Ausrichtung zur Wehr setzte, belegt ein Statement der Gruppierung, in dem es heißt: „Jede Politik, erst recht von extremistischer Art, hat bei Hansa Rostock nichts zu suchen!“ Weiterhin:“ Haltet die Politik aus dem Spiel – sowohl rechts, als auch links!“.

Generell bezeichnen sich Fußballfans gemäß der Maxime „Fußball ist Fußball und Politik ist Politik“ in der Regel als unpolitisch. Dennoch fallen Teile des Fanmilieus vor allem außerhalb des Stadions durch politisch motivierte Aktionen auf. Oft fallen Straftaten im Fan-Gewand auf den Verein zurück – ein Phänomen unter dem der FC Hansa Rostock besonders leidet.

Rostock vs. St. Pauli – eine lange Tradition

Im März 1993 fuhr der als politisch links bekannte Hamburger Verein St. Pauli zu seinem ersten Auswärtsspiel in die Neuen Bundesländer. Ziel war die Hansestadt Rostock, in der es nur ein Jahr zuvor, 1992, zu einem der schwersten rassistischen Übergriffen der Nachkriegszeit kam als ein Asylbewerberinnen- und -bewerberheim von Neonazis mehrere Tage belagert und angegriffen wurde und viele Nachbarinnen und Nachbarn in den umliegenden Wohnblöcken Applaus dafür spendeten. Rostock-Lichtenhagen wurde damit zum Inbegriff der gewaltbereiten Neonaziszene Ostdeutschlands – ein Ruf, der der Region bis heute anhängt. Dass das Neonazi-Image den Rostocker Fußball-Fans noch immer anhaftet, liegt aber auch an den Ausschreitungen gegen den Fanblock des FC St. Pauli 1993. Schwerste Krawalle von Neonazis und Hooligans, die den Gästeblock gewaltsam stürmten, begründeten eine traditionelle Rivalität zwischen den Vereinen und ihren Fans, die bei Spielen der beiden Vereine immer wieder zu Auseinandersetzungen führt. Bis zum Ende der 1990er Jahre ließen die Ausschreitungen zwar nach, doch immer wieder gibt es Konflikte, die auch auf die politische Ausrichtung der Fans zurückgeführt wird. Die zu erwartenden Krawalle ziehen aber auch ein Publikum an, welches sich sonst keinem der beiden Fanlager zuordnet. Erlebnisorientierte Hooligans suchen gezielt die körperliche Auseinandersetzung. Zugleich sind sie empfänglich für neonazistisches Gedankengut und fallen immer wieder durch diskriminierende Äußerungen auf. Auch wenn die Mehrheit der Fans sich nicht politisch positioniert, reicht schon eine kleine Gruppe, um die gesamte Anhängerschaft und den Verein in Verruf zu bringen

Doch die scheinbar unpolitische Positionierung der Mehrheit bringt auch Probleme mit sich. Solange Neonazis sich während des Spiels zurückhalten, werden sie geduldet. Menschenfeindliches Gedankengut verbannt man auf diese Weise aber weder aus den Köpfen, noch aus dem Stadion. Stattdessen muss die Mehrheit der Fans sich aktiv gegen Menschenfeindlichkeit positionieren und deutlich machen, dass derartige Fans nicht in den eigenen Reihen geduldet werden – auch weil sie damit dem Verein schaden.

Fans und Verein müssen an einem Strang ziehen

Couragiertes Handeln von Fans kann aber nur gelingen, wenn ihre Idole diese Einstellung teilen und ermutigen. Aus diesem Grund sind zuallererst Spieler und Verein gefragt, sich gegen Menschenfeindlichkeit auszusprechen und deutlich zu machen, dass derartige Fans nicht erwünscht sind. Der FC Hansa Rostock hat in der Vergangenheit mehrfach Kampagnen zur Verbesserung der eigenen öffentlichen Wahrnehmung gestartet. Neben der regelmäßigen Beteiligung an den Aktionswochen gegen Rassismus gehört auch die aktuelle Kampagne „Herzblut gewinnt – Gemeinsam ans Ziel“ dazu. Die Kampagne soll verdeutlichen, dass zu einem Verein mehr als nur die elf Spieler auf dem Platz gehören. Mit gutem Beispiel voran gehen wollen die bisher nicht unbedingt befreundeten Vereine Hamburger Sportverein, FC St. Pauli und FC Hansa Rostock. Gemeinsam sprachen sie sich auf einer Laut gegen Nazis-Kundgebung gegen Menschenverachtung und für eine faire Rivalität zwischen Fußballvereinen und ihren Fans aus.

Fußball verbindet Menschen

An das Wir-Gefühl zwischen Mannschaft und Fans knüpft auch die Beteiligung des Vereins an der Kampagne „Kein Ort für Neonazis“ der Amadeu Antonio Stiftung an. Am Montag erklärte der Vorstand des FC Hansa Rostock gemeinsam mit dem Vizepräsidenten des Bundestags Wolfgang Thierse das Stadion als „Kein Ort für Neonazis“. Zukünftig will sich der Verein gezielt für Demokratie und gegen neonazistisches Gewalt in Mecklenburg-Vorpommern engagieren. Im Rahmen seiner „Tour für Demokratie“ durch das Bundesland diskutierte Thierse dabei mit dem Vorstand nicht nur über dessen Positionierung, sondern auch über konkrete Strategien gegen Neonazis im Sport.
„Die Aktivitäten der NPD und der Kameradschaften wirken sich vor allem auf die Jugend aus“, so Thierse. „Deswegen ist es so wichtig, dass Hansa Rostock ein solches Zeichen setzt, denn Fußball ist die wichtigste Sportart in Deutschland, sodass viele Leute schnell auf so eine Aktion aufmerksam werden.“
Bernd Hofmann, Vorstandsvorsitzender des F.C. Hansa Rostock, erklärt: „Fußball verbindet und führt Menschen unterschiedlicher Herkunft und Kulturen zusammen, deshalb treten wir für ein demokratisches und weltoffenes Mecklenburg-Vorpommern ohne Rassismus und Diskriminierung ein. Mit unserem Engagement wollen wir auch unserer Vorbildwirkung vor allem gegenüber unseren jugendlichen Anhängern gerecht werden“.
 

Neonazis im Fantrikot