Sie sind hier

Meldung

EXIT: Mutter flieht vor Nazis an unbekannten Ort

Vorsichtsschild rechte Frauen

Dank der Hilfe der Aussteigerorganisation EXIT konnte am Wochenende eine Mutter untertauchen, deren Tochter seit einiger Zeit aus der Neonaziszene ausgestiegen ist - und bedroht wird. Den Angaben von EXIT zufolge führen Spuren in das  Umfeld von Mecklenburg-Vorpommerns NPD-Fraktionschef Udo Pastörs.

Von Holger Kulick

Tanja Privenau war 2005 aus der Ehe mit einem in Norddeutschland sehr bekannten Neonazi ausgestiegen, ihre Mutter, die auch sehr rechte Standpunkte vertrat, folgte ihr jetzt nach. Sie brachte ihrer Tochter Tanja eins ihrer Kinder zurück, das im vergangenen Jahr in die Naziszene zurückgelockt worden war. Die Pressemeldung von EXIT zu dem Fall vom 14.6.2009 ist kurz, aber vielsagend. Sie lautet: 

"Die Mutter der Aussteigerin Tanja Privenau aus dem unmittelbaren Kreis um den Nationalsozialisten Udo Pastörs und der Ex- Lebensgefährtin des Holocaustleugners Erhard Kemper hat die rechtsextreme Szene mit ihrem Enkel Steffen Privenau verlassen."


Der Name Steffen Privenau hatte im Oktober 2008 für Schlagzeilen gesorgt und zu einer bundesweiten Fahndung geführt.  Der damals 19-jährige geistig-behinderte Sohn der Naziaussteigerin Tanja Privenau war von Verwandten wieder in die Naziszene zurückgelockt worden, die Umstände ließen auf eine Entführung schließen. Der Vater, ein szenebekannter Rechtsextremist, hatte Sorgerechtsansprüche geltend gemacht. Nach Ansicht von EXIT wollen damals seine Verwandten, die Neonazis Markus Privenau, Uta S. – seine Großmutter- und Erhard K. "die Mutter für ihren Ausstieg bestrafen und die Kinder unter fadenscheinigen Legenden und mit verschiedenen Tricks für ihr 'Volkstum' zurückerlangen".

Die betroffene Mutter, Tanja Privenau, hatte die Naziszene nach 20 Jahren Zugehörigkeit im Jahr 2005 verlassen und war mit ihren 5 Kindern vor ihrem Mann geflüchtet, dem sie aus eigener Erfahrung Gewalttätigkeit nachsagte. In einem Interview hatte sie berichtet, ihr Mann sei "eine prominente Führungsfigur":

"Jeder kennt ihn. Bei uns ging jeder, der in der Szene einen Namen hat, ein und aus. Erst waren wir bei der FAP, dann Freie Kameradschaftsführer. In den letzten Jahren waren wir bei der völkischen Artgemeinschaft. Jetzt ist mein Mann Funktionär der NPD. Und genau das war für mich eine große Schwierigkeit...Dass ich mich zu zwei Dritteln irgendwie verabschiedet hatte, war ihm natürlich seit ein paar Jahren schon klar. Er hat mich unter Druck gesetzt und körperlich bedroht. Unsere Beziehung wurde immer schlechter. Dennoch haben wir uns dann vor sechs Jahren einen Hof auf dem Land gekauft. Da dachte ich zunächst noch, dass es weiter geht mit uns. Doch unter unserem Dach wurden ständig kriminelle Machenschaften gedreht. Ich wollte nicht immer weiter in die Illegalität abrutschen.".

Auf die Frage, was das für Geschäfte gewesen seien, berichtete Tanja Privenau:

"Er hat CDs oder andere Tonträger mit verbotenen Gruppen wie "Landser" mit rassistischem Hintergrund vertrieben. Er hat Klamotten mit Runen, Hakenkreuzen oder SS-Symbolen verkauft. Er hat antiquarische Bücher unter die Leute gebracht. Ich habe davon gewusst und tolerierend weggeguckt....". 

Auf der Neonazi-Infowebsite Altermedia hatten sich der Rechtsextremist Markus Privenau und Kameraden Tage nach dem vermeintlichen Kidnapping des Sohns Steffen geoutet. Sie schilderten, er sei zu ihnen gestoßen und schütten kübelweise Häme über der Mutter aus, in Kommentaren wiederum machen sich andere Rechtsextreme lustig über den geistig behinderten Steffen und machen damit ihre Menschenverachtung deutlich. Der Kontakt der Mutter zu ihrem Sohn Steffen riss seitdem nicht ab. Das Berliner Zentrum Demokratische Kultur konnte deshalb schon eine Woche nach dem zunächst spurlosen Verschwinden  Steffen Privenaus am 15.10.2008 melden: 

"Über eine Woche haben sie ihn verhört, um Informationen aus ihm herauszuholen. Wie er so was macht, hat der Gewalttäter Privenau reichlich nachgewiesen....".

Jetzt kümmert sich die Aussteigerorganisation EXIT wieder um Steffen und dessen Großmutter, die Mutter von Tanja Privenau. Sie holte ihn zu seiner Mutter und seinen Geschwistern zurück. Doch dieser couragierte Schritt hat sie offenbar selber in Gefahr gebracht.:

"Sie weiß zu berichten, mit welchen kriminellen und unsittlichen Methoden Tanja Privenau mit ihren fünf Kindern wegen ihres Ausstiegs bestraft werden soll", meldet EXIT, "deshalb wird sie mit Mord bedroht. Aus diesem Grund lebt sie derzeit an einen unbekannten Ort."

EXIT-LOGO

Hier mehr auf MUT über EXIT. Das Aussteigerprojekt war zum Jahreswechsel vorübergehend in Existenznot geraten, ist aber jetzt wieder voll einsatzbereit und erfährt rege Nachfrage. Insbesondere Leser haben mit ihren Spenden geholfen!

Zur
Homepage von EXIT.

Erste Hilfe von EXIT -
Ein Ratgeber zum Download


www.mut-gegen-rechte-gewalt.de / hk
/ Titelfoto: Ausschnitt aus einer Grafik der FH Dortmund in der Serie www.artikeleins.de