EXIT ist Deutschlands erfolgreichstes Projekt für Neonaziaussteiger - und dementsprechend in der Naziszene verhasst.
EXIT – Deutschland wurde im Herbst 2000 nach einem schwedischen Vorbild von Bernd Wagner und dem ehemaligen Rechtsextremisten Ingo Hasselbach, mit Hilfe der stern-Aktion „Mut gegen rechte Gewalt“ gegründet und ist unabhängig von staatlichen Institutionen. Das Projekt arbeitet bundesweit nach dem Prinzip "Hilfe zur Selbsthilfe" und bietet Aussteigewilligen aus der rechtsextremen Szene die Möglichkeit, neue Perspektiven außerhalb ihres bisherigen Milieus zu entwickeln und arbeitet mit den Aussteigenden daran, ihre persönlichen Beziehungen neu zu gestalten, neue Freunde zu gewinnen, sich in Schule, Lehre und Beruf neu zu orientieren, ihre Chance des Neubeginns konsequent zu ergreifen. Dabei vermittelt EXIT – Deutschland Kontakte, berät und gewährt psychologische und praktische Hilfen. Dieser Prozess ist sehr arbeits- und zeitintensiv, denn kein Ausstieg vollzieht sich von heute auf morgen. Die Mitarbeiter von EXIT-Deutschland arbeiten mit den Aussteigenden daran, ihre Weltanschauung zu überwinden, ihre Vergangenheit aufzuarbeiten einschließlich begangener Straftaten. Die Entwicklung persönlicher Kompetenzen und Einsichten, das erschließen neuer Perspektiven und die Orientierung auf die Arbeitswelt sind von erstrangiger Bedeutung.
Auch Eltern potenzieller Ausstiegswilliger sowie Lehrer oder Sozialarbeiter können sich beraten lassen. Dazu gibt es seit 2007 eine eigene EXIT-Familienhilfe.
Rat auch für Eltern und Lehrer
Als EXIT – Deutschland sich 2000 der Öffentlichkeit präsentierte, war zunächst nur an ein Angebot für unmittelbare Aussteiger aus der rechtsextremen Szene gedacht worden. Es meldeten sich jedoch unzählige Eltern und andere Familienmitglieder, deren Kinder noch in der rechtsextreme Szene waren und die darum kämpften, ihre Kinder aus den Fängen der Ewiggestrigen zu befreien. Sie alle brachten eigene Erfahrungen, Frustrationen, kleine Erfolgserlebnisse und unzählige individuelle Fragen mit. Oft kommen der Hass und die Ideologiebruchstücke der rechtsextrem orientierten Jugendlichen spontan auf den Tisch. Es gibt Streit in der Familie und groß ist die Unsicherheit: Wie tief ist er oder sie im Rechtsextremismus schon verstrickt? Wie kann man sich verhalten? Diskutieren, verbieten, rausschmeißen, ignorieren, konfrontieren? Guter Rat ist dann oft rar.
Die Angebote der EXIT-Familienhilfe wenden sich an diese Personen, die direkte Kontakte zu rechtsextrem orientierten Jugendlichen oder Erwachsenen haben und sich mit deren Ideologie nicht anfreunden möchten. Diese Personenkreise finden bei der EXIT – Familienhilfe Unterstützung durch individuelle Beratungen, Coaching in Krisen aber auch langfristige Begleitungen
Erfahrungen aus erster Hand
Bei EXIT – Deutschland arbeitet gegenwärtig mit mehreren Referenten, von denen vier ehemals der rechtsextremen Szene angehörten und inzwischen erfolgreich Workshops und Vorträge an Schulen, in Jugendclubs und auf Expertentagungen gestalten. Die Referenten von EXIT – Deutschland sind dabei vor allem Eines, authentisch. Sie vermitteln den Teilnehmern nicht nur aktuellstes Wissen über die rechte Szene sondern – verbinden dies mit einer Sicht ‚von innen‘, die subjektive Beweggründe, Glaubenssysteme und ideologische Abwehrmechanismen verstehen lässt und damit angreifbar macht.
Ex-Rechtsextremisten gegen Rechtsextremismus
Der Aktionskreis will die ehemaligen Kameraden ansprechen und in der Öffentlichkeit aufklären, welche Ideen und Theorien den wirklichen Hintergrund rechtsextremistischer Ideologien und Aktivitäten bilden. Die ehemaligen Extremisten, zumeist mit nationalsozialistischem Hintergrund, die im Aktionskreis mitarbeiten, beobachten sehr gründlich was sich im Lande abspielt, was ihre ehemaligen "Freunde" und Mitkämpfer tun und wie sich die Szenen entwickeln.
Deshalb haben sie sich entschlossen: sich selbst zu organisieren und mit Hilfe von EXIT-Deutschland arbeitsfähige Kontakte mit ähnlichen Projekten in den verschiedenen europäischen Ländern zu knüpfen. Es gilt die unmittelbare offensive geistig-politische Auseinandersetzung, mit rechtsextremen Ideologien und ihren Trägern führen.
Leiter von EXIT – Deutschland ist der ehemalige Kriminaloberrat Bernd Wagner. Er gründete nach der Wende in Berlin das „ZDK Gesellschaft Demokratische Kultur“.
Immer wieder ist die Existenz des Projektes mangels kontinuierlicher Förderung gefährdet. Für eine weitere kontinuierliche Arbeit ist EXIT - Deutschland auch auf Ihre Hilfe angewiesen. Daher unsere Bitte: Unterstützen Sie die Arbeit der Aussteigerinitiative mit einer Spende!
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(Das Foto zeigt Bernd Wagner, den Leiter von EXIT im Gespräch mit Neonazi-Aussteiger und EXIT-Mitarbeiter Matthias Adrian.)
(c) www.mut-gegen-rechte-gewalt.de