Rassismus fängt mit Gesten und Worten an. Bei einer Konferenz der Mobilen Opferberatung in Magdeburg unter dem Titel „Let´s talk about Rassismus“ sollte darüber gesprochen werden, worüber sonst keine Zeitung schreibt und kein Fernsehsender berichtet – über diesen alltäglichen Rassismus, der sich nicht in Form von Schlägen oder Fußtritten ausdrückt, sondern in gesagtem oder und eben nicht-gesagtem. Antonie Rietzschel hat aus Erfahrungsberichten von zehn Betroffenen notiert:
*
„Stell dir vor, du betrittst eine Kneipe oder ein Café, setzt sich hin und alle anderen stehen auf und setzen sich weiter weg. Das ist mir nicht nur einmal passiert, man hat echt keine Lust mehr irgendwo rein zugehen.“
*
„Ich bin mit einem Mann aus dem Kongo verheiratet. Zu Weihnachten schenkten meine Eltern unserem gemeinsamen Sohn eine afrikanische Trommel. Als er trommelte und tanzte, meinten sie „das habe er in den Genen“. Leute nennen mein Kind 'Mischling', 'Negerkind' oder 'Mulatte'. Ich wurde einmal in der Straßenbahn als 'Negerschlampe' bezeichnet. An die mitleidigen oder angeekelten Blicke habe ich mich schon gewöhnt. Es ist schon nicht so einfach, aber ich bin sehr stolz auf meinen Sohn und ich habe ihn sehr lieb.“
*
Ich lebe in dem Asylheim in Burg. Eines abends war ich mit einem Freund in der Stadt aus. Wir kamen zu einem Cafe. Zwei weiße Frauen luden uns ein mit ihnen was zu trinken. Das Cafe war gegenüber vom Polizeipräsidium, von wo aus wir wahrscheinlich beobachtet wurden. Plötzlich fuhr ein Streifenwagen mit Blaulicht vor. Zwei Polizisten stiegen aus und verlangten unsere Ausweise, die natürlich in Ordnung waren. Sie sahen sie durch und sagten, dass wir zurück zum Asylbewerberheim gehen sollten. Wir sagten, dass wir erwachsene Menschen seien und nur was trinken wollten. Dann schalteten sich die beiden Frauen ein. Zu denen sagten die Polizisten, dass, wenn sie schon nicht auf ihre Eltern hörten, sie dann wenigstens Respekt vor der Polizei haben müssten. Hier gibt es so viele Nazis. Wen sollen wir rufen, wenn wir überfallen werden? Sicher nicht die Polizei!“
*
„Ich habe einen deutschen Mann geheiratet und bin mit meiner Tochter aus Brasilien nach Deutschland gekommen. Mein Mann hat uns verboten miteinander portugiesisch zu sprechen.“
*
„Die Nummer 226 werde ich nie vergessen. Es war die Nummer des Büros eines Richters, bei dem ich einen Termin wegen meines Asylverfahrens hatte. Der hatte zu DDR-Zeiten fünf Jahre in Syrien gelebt. Er fragte mich woher ich komme. Ich sagte 'Syrien'. Er: 'Das kannst du vergessen. Du brauchst kein Asyl. Syrien ist ein demokratisches Land.'
*
„Als ich mit einer deutschen Freundin draußen im Park saß, wurde sie plötzlich angequatscht: 'Ey, findest du keinen anderen, oder was?'“
*
„Neulich war ich beim Arzt, ich hatte einen Termin um elf. Ich war ein bisschen früher da, setzte mich ins Wartezimmer, wo schon ein anderer Typ saß. Der kam dran, und noch zwei Andere, die mittlerweile gekommen. Ich natürlich, dass das ja ganz normal ist, warten zu müssen. Aber dann kamen immer mehr Leute und wurden vor mir rein gerufen. Es wurde später und später. Es war so demütigend einfach da zu sitzen und nicht dran zu kommen. Schließlich war es kurz vor Praxisschluss und nur eine Person saß noch mit mir im Wartezimmer. Da bin ich dann gegangen.“
*
„Ich hatte einen Termin bei der Ausländerbehörde in der Halberstadt. Die Beamte, die für mich zuständig war, erklärte mir, dass sie leider heute nicht arbeiten könne weil es viel zu heiß sei. Beim zweiten Mal hieß es, dass ich nur als Christin eine Aufenthaltsverlängerung bekäme. Und ich sei ja Muslimin.“
*
„Wenn ich als weiße Deutsche, mit einer oder einem Schwarzen irgendwo hin gehe, reden die Leute immer mit mir über die andere Person: „Kann sie denn deutsch?“ oder „Wo kommt sie denn her?“. Es ist, als ob ich mit einem kleinen Kind unterwegs wäre. Es ist so peinlich.“
*
„Ich habe bei einer Zeitschrift gearbeitet und wurde immer als Quoteneürke beschimpft. Natürlich sollte es immer nur ein Scherz sein.“
Zusammengestellt von Antonie Rietzschel - www.mut-gegen-rechte-gewalt.de
Selbst in einer angeblichen Weltstadt passieren immer wieder ganz seltsame Dinge. Man steht auf der Toilette eines Cafes an und bekommt fürs Warten auch noch Geld, weil man für das Reinigungspersonal gehalten wird. Die Frage "Du Tüte?" habe ich auch nicht nur einmal im Supermarkt gehört. Man redet ganz ungeniert über einen, weil man ja auch so gar nicht damit rechnen kann verstanden zu werden. Und dann soll ich mich nicht so anstellen?!
Der Vater meiner Tochter stammt aus den USA, als die Kleine auf die Welt kam, war sie sehr hell....eine Nachbarin schaute in den Kinderwagen uns sagte: "Wie süß, ein weißes Negerbaby..."
Kommentar meiner Oma, als ich ihr sagte, dass mein Freund "farbiger" US-Amerikaner sei: "Eisbären und Pinguine leben doch auch friedlich nebeneinander und müssen sich nicht gleich paaren"...
Ich glaube, dass ich immer weiter Beispiele finden würde, wenn ich mir erlaube, weiter darüber nachzudenken - aber das tut zu weh!!
Kleine Ergänzung gefällig?
Eine FahradTour,
wir pflücken 2 Äpfel, von einen staatlich gepflanzten Baum, Spaziergänger werfen uns darauf hin vor, dem Sozialstaat auf der Tasche zu liegen und gehen automatisch davon aus, dass wir Arbeitslos sind und keine Steuern zahlen, die ja für den Baum aufgewendet wurden.
Wir sollen dahin gehen, wo wir hergekommen sind.
Stehe im Bus, neben einer arabischen Frau mit Kopftuch, zugestiegene bleiben kurz stehen, schnüffeln und sagen, so das es jeder hören kann:" Die stinckt, lass uns nach Hinten gehen."
Ich habe nichts gerochen!
Vielleicht war ich auch gemeint, frisch geduscht, auf dem Weg zur Arbeit.
Stehe beim Discounter vor dem Pfandautomat, dem Hinter mir, geht es nicht schnell genug, er murmelt etwas von Ausländer, ab nach Hause!
Ich krieg natürlich die Pimpernellen und leg mich mit ihm an, worauf hin er mit Hitler hätte euch vergast antwortet!
Arbeite in meiner Jugend in einem Fastfood Restaurant, Kunden wollen sich nicht bedienen lassen von Ausländern, ich passe eine deutsche Kollegin übernimmt.
Letztes Jahr eine türkische Frau mit Kopftuch fragt mich nach dem Weg zu einer Örtlichkeit, ich kann ihr nicht helfen und frage meinen Chef, er findet Muselmanen braucht er keine Auskunft zu geben, soll sie doch sonst wo fragen.
Ich schäme mich und sage ihr, dass er es auch nicht wüßte.
Rassist ist er aber nicht, denn er hat mich ja eingestellt, der Unterschied ich bin Serbin, sie ist Kopftuch!
Dortmund Innenstadt, stehe vor einem Laden und warte auf meine Tochter, ein paar Afro- Deutsche verteilen Flugblätter für ihre Kirche.
Eine deutsche Familie, mit mehreren Kinder, die offensichtlich angetrunken sind (Weihnachtsmarkt), pöbeln die Afro- Deutschen an, altbekannte Ausdrücke, die ich nicht widerholen möchte.
Ich stelle mich zu den Afro- Deutschen und werde in gleicher Weise wie die Mutter des oben beschriebenen Dunkelhäutigen Kindes beschimpft.
Mir fällt da noch einiges ein was ich mit meinen fast 40 Lenzen hier erlebt habe, aber ich denke mal das reicht vorerst.
Ich muss dazu sagen, ich habe nur dunkles Haar und besonders Andersartig sehe ich nicht aus, denn meine deutsche Freundin ist auch dunkelhaarig und man hält uns oft für Geschwister.
Mein Deutsch ist auch nicht auffällig schlecht und wenn ich sowas erlebe, dann möchte ich nicht wissen was anderen Menschen, die man ganz offensichtlich als Fremd identizifieren kann, noch so passiert.
Jedenfalls, ist es besonders schlimm, wenn ich mit Frauen unterwegs bin, die ein Kopftuch tragen.
So selbstbewußt ich auch den Pöblern gegenüber sein kann, auf Dauer entwickelt sich etwas, was mich von solchen Spaziergängen mit bedeckten Frauen abhält, ich besuche sie lieber zu Hause.
Das ist vielleicht feige, doch immer kann ich nicht in Topform sein um sochen Attacken mit den nötigen Argumenten zu begegnen ohne dabei selbst ausfallend zu werden.