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Ein Kommentar von Anetta Kahane
Es ist zum Jungehundekriegen: Alle reden von Köln, von Nordafrikanern oder benutzen andere Chiffren, um klar zu machen, dass jetzt Schluss sein muss mit der Flüchtlingsfreundlichkeit. Es herrscht derzeit ein Klima in Deutschland, das mit der Wirklichkeit nicht mehr korrespondiert.
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Bündnis für Toleranz

Das „Bündnis für Demokratie und Toleranz – gegen Extremismus und Gewalt“ ist im Jahre 2000 von der Bundesregierung mit dem Ziel gegründet worden, zentraler Ansprechpartner und Impulsgeber zu sein, um die vielfältigen zivilgesellschaftlichen Aktivitäten für Demokratie und Toleranz zu sammeln, zu bündeln, zu vernetzen und öffentlich zu machen. Der drastische Anstieg politisch motivierter Straftaten veranlasste den damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder, die deutsche Bevölkerung zu einem „Aufstand der Anständigen“ aufzufordern.

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Es ist zum Jungehundekriegen: Alle reden von Köln, von Nordafrikanern oder benutzen andere Chiffren, um klar zu machen, dass jetzt Schluss sein muss mit der Flüchtlingsfreundlichkeit. Es herrscht derzeit ein Klima in Deutschland, das mit der Wirklichkeit nicht mehr korrespondiert.
Willkommen im neuen Jahr, auch wenn es mit vielen erschreckenden Meldungen beginnt. Eine Bemerkung vorab: Auch 2016 wird voll sein von guten und schlechten Nachrichten, das ist in bewegten Zeiten immer so. Das Themenfeld der Amadeu Antonio Stiftung bleibt es, Menschenfeindlichkeit zu bekämpfen und deshalb ist es wichtig, über die schlechten Nachrichten Bescheid zu wissen.
Die einen sagen jetzt mit rassistischer Deutlichkeit was sie unter Deutschsein verstehen und meinen einen homogenen „Volkskörper“ ganz ohne Menschen mit anderer Hautfarbe. Denn am Ende geht es genau darum. Und die anderen sagen jetzt auch, was sie meinen, indem sie sich um die Flüchtlinge bemühen. Es ist großartig, dass sie es tun! Dass wir es tun. Trotz der Hetze, trotz der Übergriffe, trotz eines sich verschlechternden politischen Klimas.
Wie wir aus eigener, oft schmerzlicher Erfahrung wissen, gibt es keinen Algorithmus für die Liebe. Wer warum wen liebt und ob diese Liebe hält, lässt sich einfach nicht errechnen. Bestenfalls zeigen Statistiken, also Erfahrungswerte, die einfach nur zusammengezählt werden, wie wahrscheinlich es ist, die Liebe des Lebens zu finden und dann auch zu behalten. Man kann ein derart komplexes Gefühl einfach nicht ausrechnen. Ebenso ist es mit dem Hass.
Wir leben in sehr ambivalenten Zeiten. Auf der einen Seite pöbelt der Mob Tag für Tag gegen Flüchtlinge und die Nachbarn klatschen Beifall. Und auf der anderen Seite zeigen die Menschen eine nie dagewesene Hilfsbereitschaft und Offenheit und helfen, wo sie nur können. Manchmal geschieht beides gleichzeitig. Und die Frage ist dann, was wir wahrnehmen und welche Schlüsse wir daraus ziehen. Ich hatte gerade ein aufregendes Wochenende mit solch zwiespältigen Eindrücken. Ich war beim Willkommensfest in Heidenau und ehrlich gesagt hat es mich hin und hergerissen.