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Kommentar

Dirk von Lowtzow zum antisemitischen deutschen Süppchen: "Lasst es uns gemeinsam versalzen!"

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Dirk von lowtzow zum Start der Aktionswochen gegen Antisemitismus 2009

Zum Start der Aktionswochen gegen Antisemitismus 2009 findet Tocotronic-Sänger Dirk von Lowtzow klare Worte. Er kritisiert das „Wir-sind-wieder-wer-Gefühl“, stellt wie Hannah Arendt fest, dass man vor dem Antisemitismus nur noch auf dem Mond sicher sei und möchte das deutsche antisemitische Süppchen versalzen.
 
"Hallo,

ich will mich kurz vorstellen, mein Name ist Dirk von Lotzow, ich bin unter anderem Sänger und Gitarrist der Rockgruppe Tocotronic.
Ich fühle mich sehr geehrt bei dieser Pressekonferenz zum Beginn der Aktionswoche gegen Antisemitismus eingeladen zu sein. Ich unterstütze diese Aktion von ganzem Herzen, denn ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Antisemitismus keineswegs ein Phänomen ist, dass sich in Deutschland mit dem Aussterben der Nazigeneration von selbst erledigt hat und dass demnach nur noch in einigen wenigen Randgruppen virulent ist. Der alltägliche Antisemitismus lässt sich in Deutschland 2009 keineswegs nur in ostdeutschen Jungmännerbünden oder in schwäbisch islamistischen Zellen aufspüren.

Vielmehr hat der Antisemitismus seinen festen Platz tief in der bürgerlichen Gesellschaft. Gerade auch in den sogenannten „besseren Kreisen“werden antisemitische Ressentiments gehegt und gepflegt und wenn man sich „unter sich“ wähnt auch hemmungslos verlautbart. Hannah Arendt hatte also sicher Recht, als sie schrieb: „Vor dem Antisemitismus ist man nur noch auf dem Monde sicher“, denn er wird, nach den Regeln der Vererbung, in vielen Fällen von Generation zu Generation weitergegeben. Im Klein- und Großstädtischen Milieu gedeiht er vortrefflich, sei es durch kleinliche Widerstände, mit denen sich Aktionen gegen das Vergessen der Shoah immer wieder konfrontiert sehen, sei es durch Schändungen aller Art oder sei es durch bewusste Übertretungen dessen, was latente Antisemiten und Rassisten als „Tugendterror“ bezeichnen. Man wird ja wohl noch sagen dürfen etc pp.

Verbunden mit einem, seit der deutschen Wiedervereinigung erstarkten, „Wir-sind-wieder-wer-Gefühl“, lebt er am Stammtisch wie im Bridgeclub fort, überall dort, wo von „den Juden“ die Rede ist und sich über deren angebliche Macht und Einflussnahme in der deutschen Gesellschaft mokiert wird, überall dort, wo deutsche Juden aufgefordert werden doch „nach Israel“ zu gehen, wenn sie sich als Ruhestörer erweisen und zu vielerlei Anlässen mehr. Gepaart mit unqualifizierten und verschwörungstheoretischen Äußerungen über Nahost, denen stets eine gewisse Häme nachzuweisen ist, ergibt das ein Süppchen, das der Deutsche gerne kocht und verspeist. Lasst es uns gemeinsam versalzen!

Vielen Dank"
 
Weitere Informationen:

- Aktionswochen gegen Antisemitismus

- "Aktionswochen gegen Antisemitismus 2009" starten mit prominenter Unterstützung
 
Foto: Sebastian Brux für mut-gegen-rechte-gewalt.de